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Teil 5 (1915) Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo / von Ernst Wagemann
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Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo. 61

4. Die Aufbereitung des Kaffees.

Der vom Boden aufgelesene Kaffee wird im Gegensatz zu dem gepflückten in fließendes Wasser gebracht. Die noch vorhandenen Beimengungen sinken und werden so von den' Beeren getrennt, die oben­auf schwimmen bleiben und jetzt in Sieben aufgefangen werden. Dann schüttet man sie zusammen mit den nichtgewaschenen Pflückbohnen auf, so daß sich die Haufen erhitzen und die Fruchtschalen aufspringen. Die Bohnen werden nun auf einem freien Platz von festgestampftem Lehm (^srrsiro) ausgebreitet und der Sonne ausgesetzt, damit die Schalen dürr und spröde werden. Bei Regenwetter schaufelt man den Kaffee mit Holzschiebern zusammen, um ihn unter Dach zu bringen.

Einen Fortschritt stellt es dar, wenn sich auf der Kolonie eine bewegliche Trockenvorrichtung, ein sogenannter Kaffeewagen befindet: er besteht aus einem Schubfach, das mit kleinen Rädern versehen ist und auf hölzernen Schienen gleitet, welche unter einen Schuppen führen, der bei Regenwetter als Schutz dient. Im Tieflande ist diese Vorrichtung ziemlich überflüssig, da es dort weniger regnet. Aber auch im Hochlande findet man sie nicht häufig.

Nach dem Trocknen stampft man den Kaffee, um ihn von der Schale zu befreien. In den meisten Betrieben dient dazu die Mascholle, ein Wort der Kolonistensprache, das durch Korruption des brasiliani­schen Ausdrucks Nunjolo entstanden ist. Man versteht darunter eine auch sonst in Brasilien gebräuchliche Vorrichtung 3, die die Wasserkraft zum Stampfen verwertet und wie folgt beschaffen ist: Man denke sich eine Wippe, deren einer Arm in einem hölzernen Stößel endigt, und deren anderer Arm derart ausgehöhlt ist, daß er einen Wasserbehälter bildet. Läßt man das Wasser einströmen, so senkt sich dieser Arm und der Stößel hebt sich. Bei dieser Bewegung verliert der Wasserbehälter das Wasser und damit das Übergewicht; der Stößel fällt nieder, und zwar in einen großen Holztrog, worin sich der zu stampfende Kaffee befindet. Das Auf und Nieder geht je nach der Menge des Wassers und je nach

b Von den Deutschen weiter im Süden wird sie nach Kaerger (S. 293) auch Fauler Neger" genannt. Sie ist aus dem PilLo hervorgegangen.Dieser Illlao, der auch noch jetzt in keinen: brasilianischen Hausstand fehlt, ist ein halbmanns­hohes Stück irgendeines hartholzigen Baumes, in welchem eine Vertiefung aus- gehauen oder ausgebrannt ist. Mittelst eines mao cks pilao, eines Stampfers, gleichfalls aus hartem Holz, werden in dieser Höhlung nun alle Arten von Ver­kleinerungen und Enthülsungen vorgenommen."