Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo. 57
zwei Jahre völlig unbrauchbar gemacht werden, weil eine sofortige Wiederholung des Brennens dann kaum mehr möglich ist. Früher haben gewissenhafte Kolonisten die übrigbleibenden Zweige und Äste zu Scheiterhaufen aufgestapelt und verbrannt. Von dieser Praxis ist man aber immer mehr abgekommen, weil dadurch der Boden nur ungleichmäßig wird: das Brennen wirkt an den betreffenden Stellen zu scharf.
Man läßt heute also auch nach ungenügendem Waldbrand das übriggebliebene Holz ruhig liegen, pflanzt, soweit angängig, dazwischen und vertröstet sich auf das Brennen, das im nächsten Jahre, nachdem das Buschwerk, die Capoeira, aufgeschossen ist, wieder erforderlich wird. Diese wird, wie früher der Wald, ebenfalls zunächst „gefost" und nach 4—6 Wochen angezündet. Das Land ist natürlich jetzt besser, als es nach dem Waldbrand war, ist es doch gleichmäßiger gebrannt und frei von den Waldtrümmern. Es wird nun wieder bepflanzt.
Nach der Ernte bleibt es ein Jahr lang als Dreesch, d. h. unbenutzt, liegen. Darauf folgt wieder Fosen und Pflanzen, woran sich von neuem ein Jahr Dreesch anschließt. So verfährt man dreimal hintereinander. Dann wird es aber nötig, dem Boden zwei Jahre Ruhe zu gönnen, später sogar 3—4 Jahre. Da ihm kein Dünger zugeführt wird, erschöpft er sich schließlich ganz und liefert höchstens noch etwas spärliche Weide. Im Hochland schießen dann die Farren hervor. Die Farrenvegetation gilt als ein Zeichen für gänzlich ausgesogenen Boden.
3. Der Kaffeebau: Pflanzen, Pflege, Ernte*.
Der Kafseebau ist, wenn auch nicht nach der von ihm beanspruchten Fläche, so doch als die einzige Exportproduktion die wichtigste Kultur des Kolonistenbetriebes. Er gibt der ganzen Wirtschaft die Richtung.
Es wird so gut wie ausschließlich Bourbon- und Creole-Kaffee gepflanzt. Bourbon-Kaffee bietet den Vorteil, eher zu reifen als der Creole-Kaffee. Dieser liefert dafür Jahr für Jahr gleichmäßigere Erträge. Bourbon blüht im Hochland in den Monaten Oktober bis Januar, Creole in den Monaten Januar bis März. Nur ausnahmsweise wird kleinbeeriger Kaffee angebaut.
Gewöhnlich wird mit dem Pflanzen gleich nach dem Waldbrande
* Vgl. Kaerger, S. 288 ff. — Wernicke, S. 54 ff.