Dr. Ernst Wagemann.
Penna. Im Jahre 1908 wurde diese dann an die Bundesregierung abgetreten. Sie ist in Lose von 50 im eingeteilt, die bereits je mit einem primitiven Häuschen versehen sind und für 500 Milreis unter bestimmten Bedingungen — Verpflichtung zum Anbau usw. — abgegeben werden.
Obwohl die Kolonie, wie ich mich überzeugen konnte, vortrefflich angelegt ist, und obwohl die daselbst angesiedelten Einwanderer auch reichlich mit Zuschüssen bedacht worden sind, hat das Unternehmen wenig, oder doch nicht den beabsichtigten Erfolg gehabt. Vielleicht sind die Kolonisten, wie seinerzeit in Santa Jzabel, zu reichlich unterstützt worden. Vor allem hat es aber an der richtigen Auswahl des Einwanderermaterials gefehlt. Es waren, wie in der deutsch-brasilianischen Zeitung „Germania", in der Nummer vom 1. April 1911, festgestellt wird „Fabrik- und Gelegenheitsarbeiter, Leute, die sich ihre Landlose nicht nach der Bodenqualität aussuchten, sondern sich nach den schmuckesten Häuschen richteten, die wohlweislich auf dem schlechtesten Lande gebaut waren . . . Viele sind schon unter Preisgabe ihrer sauren Arbeit weggelaufen". Ganz gegen die Bestimmung haben sich nun statt frischer Einwanderer Kolonisten der älteren Siedlungsgebiete in Affonso Penna niedergelassen. Und diese haben sich behauptet und es bereits zu einigem Wohlstand gebracht, so daß in jener Gegend jetzt zwei neue deutsche Gemeinden, nämlich Guandü und Crissiume, im Aufblühen begriffen sind.
7. Die Gemeindebildung,
Es wurde schon festgestellt, daß die deutschen Einwanderer teils katholischer, teils protestantischer Konfession waren.
Zuerst erhielten die katholischen Deutschen kirchliche Versorgung. So bildeten sich die Gemeinden Santa Jzabel im gleichnamigen Munizip und Tirol im Munizip Santa Leopoldina. An ihrer Spitze stehen gegenwärtig deutsche, von der Stehler Mission gesandte Geistliche (Brüder vom Göttlichen Wort). Doch umfassen diese Gemeinden, deren Sprengel sich mit dem Gebiet der betreffenden Munizipien ziemlich deckt, auch die nicht deutschsprechenden Katholiken. In den Schulen werden die Kinder der Einheimischen wie die derEingewanderten meist zusammen unterrichtet, und auch sonst werden die Unterschiede der Nationalität und der Rasse außer acht gelassen. Da dies natürlich auch