Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo. 35
Die Verhältnisse haben sich aber sehr bald gebessert. Schon der Bericht des preußischen Generalkonsuls Haupt, der 1867 veröffentlicht wurde 29 , klingt anders als die Darstellung Tschudis, und dieser selbst gibt in einer nachträglich zugefügten Anmerkung zu^v: „Ich will hier nicht verschweigen, daß die neuesten Berichte, die ich über die Kolonie Santa Leopoldina erhalten habe, etwas günstiger lauten als meine oben gegebene Schilderung. Viele Verbesserungen verdankt sie dem Eifer des seit Juni 1864 hier residierenden protestantischen Pfarrers Reuther." Auch daß der deutsche Botaniker Dr. Rudio Koloniedirektor wurde, mag zur Besserung der Verhältnisse beigetragen haben.
Man darf annehmen, daß die Pommern, die in den 70er Jahren trotz des v. d. Hehdtschen Reskripts von 1859 in großer Zahl, zu vielen Hunderten ^ 1 , eingewandert sind, durch ihre kolonisatorische Tüchtigkeit den weiteren Fortschritt gefördert haben. Sie waren ja von Haus aus nicht gewöhnt, die Schwierigkeiten bergigen Geländes zu überwinden, aber sie waren schwer arbeitende Tagelöhner gewesen und zeichneten sich durch Genügsamkeit, Willenskraft und körperliche Leistungsfähigkeit aus. Sie bilden heute Wohl die Hauptmasse der deutschprotestantischen Ansiedler in Espirito Santo. Von Santa Leopoldina aus haben sich ihre Siedlungen nach Süden und Westen und neuerdings auch nach Norden hin, in ausgesprochenes Tiefland, vorgeschoben.
Die Emanzipation von Santa Leopoldina erfolgte 188292. Sitz der Munizips: Porto do Cachoeiro.
6. Die weitere Besiedlung; die Formen des Landerwerbs.
Was die Kolonistenbevölkerung, die in den letzten Jahrzehnten keinen nennenswerten Zuzug aus Deutschland mehr erhalten hat, doch dazu drängt, sich über immer größere Flächen auszubreiten, ist einerseits ihre natürliche, wie wir noch sehen werden, sehr starke Vermehrung, anderseits die allmähliche Erschöpfung des Bodens ihrer ursprünglichen Wohnsitze, wovon gleichfalls noch die Rede sein wird.
Der so hervorgerufene Besiedlungsprozeß geht regellos vor sich,
Wappäus, S. 1719.
3° S. 38.
Genaue Zahlen haben mir darüber leider nicht zur Verfügung gestanden. ^ Rslatorio äa Direvtorig, Oentral cis l6rra,8, S. 8.
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