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Dr. Ernst Wagemann.
scheint nicht geboten, da über die Instrumente und die wissenschaftliche Exaktheit der Beobachtungen zu wenig bekannt ist.
Für Victoria werden als mittlere Jahrestemperatur allgemein 230 R angegeben.
4. Die Gründung der Kolonie Santa Izabel.
Von zwei Seiten her haben sich die deutschen Siedlungen über das Land gebreitet: vom Rio Jucü und vom Rio Santa Maria da Victoria.
Zuerst ist am Jucü, etwa 30 kau bon der Küste entfernt, die Kolonie Santa Izabel — das war der Name der damals präsumptiven Thronerbin — angelegt worden, und zwar im Jahre 1847. Die ersten deutschen Einwanderer, die dorthin kamen, waren 38 Familien (163Köpfe), welche bom Rhein, von den Höhen des Hunsrück stammten?. Später erhielten sie Zuzug aus Rheinhessen
Sie waren nach ihrer Ankunft in Rio zu Schiff nach Victoria befördert worden, wo sie zunächst blieben und mit der Säuberung und Pflasterung des Platzes vor dem Präsidentenpalaste — gegen Lohn — beschäftigt wurden. Dann brachte man sie nach der kleinen Ortschaft Vianna^ die auf dem Wege zu ihrer neuen Heimat lag. 1813—1818 hatte man hier mit portugiesischen Familien aus den Azoren eine Ansiedlung geschaffen, die nach anfänglichen Schwierigkeiten sich ganz gut entwickelte, und die nun für die deutschen Einwanderer die nächst benachbarte Ortschaft werden sollte^.
Von Vianna endlich gelangten die deutschen Einwanderer — die Männer zu Fuß, die Frauen und Kinder mit Kanoes auf dem Nebenarme des Jucü, dem Brayo do Sul — zu ihrem Bestimmungsorte, zu der Stelle, wo diese beiden Flüsse zusammenströmen. „Dort fanden sie," so erzählt Pastor Urban n, „nur einige Dutzend halbwilde Botoku- denindianer mit ihren Frauen und Kindern und ihrem Aufseher, der als Dolmetscher diente, vor. Diese Botokuden hatten ein Stück Urwald gerodet und Nothütten errichtet . . . Als die Kolonisten, Bettzeug, Kochgeschirr, Arbeitszeug, sowie Lebensmittel auf dem Rücken, ihre Kolonielose beziehen wollten, erfuhren sie zu ihrem Schrecken, daß erst die
? Tschudi, S. 7.
8 Urban, S. 13.
s Urban, S. 4.
^0 Handelmann, S. 443. Tschudi, S. 6.
" S. 5ff., offenbar nach den Schilderungen älterer Kolonisten.