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Teil 5 (1915) Die deutschen Kolonisten im brasilianischen Staate Espirito Santo / von Ernst Wagemann
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vi-. Ernst Wagemann.

Die Küstengliederung ist dagegen für die Schiffahrt ganz günstig. Jedenfalls ist die Bucht Espirito Santo, der Hafen der Hauptstadt Victoria, trotz der etwas schwierigen Einfahrt einer der besten Häfen von ganz Brasilien.

Was die Bodenverhältnisse betrifft, so kann man in der Haupt­sache zwei Kulturzonen unterscheiden: die Niederungen mit tropischem Charakter und das im ganzen mehr subtropische Hochland. In den Niederungen, zu denen außer dem mehr oder weniger breiten Küsten- streifen auch die Täler der Nebenflüsse des Rio Doce gehören, herrschen für den Anbau von Baumwolle und Zuckerrohr und Wohl für den der meisten tropischen Produkte recht günstige Bedingungen, während im Hochlande so ziemlich alle Erzeugnisse der Subtropen und viele der gemäßigten Zone gewonnen werden können. Denn im großen und ganzen ist der Boden sehr fruchtbar. Überdies enthalten die Wälder einen großen Vorrat an kostbaren Hölzern. Besondere Erwähnung verdient der Reichtum an Jacarandä, einer Palisanderart, und an Peroba, einem zur Möbelsabrikation vortrefflich geeigneten Holze. Mineralische Schätze birgt Espirito Santo dagegen in irgend­wie beträchtlichen Mengen, soweit bisher bekannt, nicht. Zu nennen wäre höchstens der Monazitsand der Küste.

Wie es aber auch um die Naturschätze des Landes bestellt sein mag: durch das Territorium sind die Aussichten der wirtschaftlichen Entwicklung eng begrenzt. Denn ganz Espirito Santo hat einen Flächeninhalt von nur 45 000 hlrrn; es ist also noch lange nicht so groß wie Bayern und nicht viel größer als Hannover oder Schlesien.

Freilich ist in Betracht zu ziehen, daß das Hinterland der an Minenschätzen so reiche Staat Minas Geraes ist. Schon jetzt wird der Hafen Victoria ausgebaut, um als Durchgangspforte für die Ausfuhr des Erzes zu dienen, das ihm die Bahn Victvria- Diamantina zuführen wird.

2. Die Besiedlung.

Im Jahre 1535 faßten die Portugiesen als die ersten Europäer in Espirito Santo Fuß. Sie begannen ihr Siedlungswerk damit, daß sie das Städtchen Espirito Santo das heutige Villa Velha an­legten. Erst etwas später wurde diesem gegenüber, auf der Insel der Bucht Espirito Santo, die heutige Hauptstadt des Staates, Victoria, gegründet.