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Wissenschaftlich - wirtschaftliche Studienreisen nach fremden Ländern.
Zur möglichst vorteilhaften Anwendung von Lehrzeit und Lehrgeld, die keiner jungen Kolonialwirtschaft erspart bleiben, hat das Komitee in den Jahren 1896 bis 1906 Studienreisen berufener Sachverständiger nach den kulturell weiter vorgeschrittenen fremden Ländern ausführen lassen, wie die Studienreisen nach Zentral- und Südamerika: Professor Dr. Preuß, Victoria, Kamerun — nach den Südstaaten Nordamerikas: Baumwollinspektoren Becker, Buvinghausen, Holzmann und Pape — nach Mexiko und Kleinasien: Dr. Endlich — nach Nordafrika: Professor Dr. Passarge — nach Ägypten: Kommissar Booth, Professor Dr. Zimmermann, Amani — nach Britisch- und Niederländisch-Indien: Geh. Reg.-Rat Dr. Stuhlmann, Amani — nach Britisch- und Französisch-Westafrika und dem Kongo: Korpsstabsapotheker Bernegau, Dr. Gruner, Misahöhe, Direktor Hupfeld, Kaufmann Paul, Ingenieur Preiß, Botaniker Dr. Schlechter, Dr. Schulte im Hofe — nach Uganda: Kaufmann Fuchs — nach Portugiesisch-Angola: Botaniker Baum — nach Venezuela: Pflanzensammler Großmann. Finanziell unterstützt wurden Studienreisen nach Java und Britisch-Indien: Deistel, und nach Mesopotamien und Südpersien: Dr. Grothe. Den Studienreisen nach fremden Ländern schließen sich an: die Sisal-Agaven-Erkundung in Deutsch-Ostafrika von Dr. Hindorf, die Studien des Geh. Reg.-Rats Professor Dr. Wohltmann in Samoa und die pflanzenpathologischen Expeditionen von Reg.-Rat Dr. Busse nach Ost- und Westafrika.
Wirtschaftliche Vorarbeiten in den Kolonien.
Zur Feststellung der Rentabilitätsaussichten bestimmter Unternehmungen beziehungsweise zur Verhütung von Fehlschlägen hat das Komitee unter Nutzbarmachung der bei den Studienreisen gesammelten Erfahrungen seit dem Jahre 1899 wirtschaftliche Vorarbeiten in den Kolonien geleistet.
In TogO die Einführung der Baumwollkultur — die Vorbereitung der maschinellen Ausbeute der Produkte der Ölpalme — die wirtschaftliche und technische Trassierung der Togo-Innenlandbahn.
In Kamerun die Feststellung wilder Kautschukbestände und die Einführung der Kautschuk-Plantagenkultur — die Vorbereitung der maschinellen Ausbeute der Produkte der Ölpalme — die Einführung neuer Spielarten von Nutzpflanzen und einer verbesserten Erntebereitung insbesondere von Kakao.
In Deutsch-Ostafrika die Einführung der Baumwollkultur und des Dampfpfluges — die Förderung der Sisal-Agaven- und Kautschukkultur — die Vorbereitung der maschinellen Ausbeute der Sanseviera — die Förderung der Gewinnung von Gerbstoffen — die wirtschaftlichen Eisenbahn-Erkundungen im südlichen, mittleren und nördlichen Deutsch-Ostafrika.
In Deutsch-Süd Westafrika die Schaffung von öffentlichen Brunnen und Tränkstellen — die Vorbereitung von Stau-Anlagen im Fischflußgebiet.
In Deutsch - Neu - Guinea die Feststellung wildwachsender Guttapercha—die Förderung der Kultur von Guttapercha und Kautschuk.
Ergebnisse.
Die Unternehmungen lassen sich einteilen in Vorarbeiten für Eisenbahnen, für deutsche Siedlung, für Förderung des Absatzes deutscher Industrieerzeugnisse und für Schaffung volkswirtschaftlich wichtiger Rohstoffe und Produkte. Die Ergebnisse liegen zum Teil abgeschlossen vor; Unternehmungen, wie die Einführung langfristiger Volkskulturen und die pflanzenpathologischen Untersuchungen, fördern fortgesetzt neue Ergebnisse zutage, andere, wie die Vorarbeiten auf dem Gebiete des Eisenbahnbaues, der Plantagenkultur und der Siedlung, harren der Willigkeit des Privatkapitals oder der Initiative der Regierung und der Bereitwilligkeit des Reichstags.
1. Vorbereitung von Eisenbahnen.
Der Eisenbahnbau in den deutschen Kolonien ist gegenüber den fremdländischen Kolonien im Rückstände. England besitzt heute in Afrika 16 026 km Eisenbahnen, Frankreich 8067 km, Deutschland etwa 2150 km.
Auf Grund der von dem Komitee ausgeführten wirtschaftlichen und technischen Trassierung der Togo-Innenlandbahn wurde die Linie Lome—Palime gebaut. Die wirtschaftlichen Eisenbahn- Erkundungen im südlichen, mittleren und nördlichen Deutsch-Ostafrika sind abgeschlossen; ihre Ergebnisse sind in den Werken „Die wirtschaftliche Erkundung einer ostafrikanischen Südbahn" 1905 und „Wirtschaftliche Eisenbahn-Erkundungen im mittleren und nördlichen Deutsch-Ostafrika" 1907, mit reichem statistischen und Kartenmaterial veröffentlicht.
2. Vorarbeiten für deutsche Siedlung.
Die Auswanderung Deutschlands betrug in den Jahren 1871: 76221, 1881: 220 902, 1891: 120089, 1900: 22309,
1901: 22073, 1902: 32098, 1903: 36 1904- 27984,
1905: 28075, 1906: 31074.
Zur Vorbereitung einer Übersiedlung nach den deutschen Kolonien, soweit solche klimatisch geeignet sind, hat das Komitee beigetragen in Deutsch - Südwestafrika durch die unter Leitung des Ingenieur Kuhn ausgeführte Fischfluß- Expedition und durch die Ausrüstung von Bohrkolonnen mit dem Ergebnis der Schaffung von öffentlichen und privaten Brunnen für Tränkzwecke und der Fertigstellung von Projekten für Stauanlagen in der Löwenfluß - Naute, in Arochas-Bethanien, Osis und Gibeon.
In Deutsch-Ostafrika wurde die Vorbereitung einer deutschen Siedlung in Verbindung mit den Eisenbahnerkundungen betrieben. Zur Besiedlung der Nyassaseeländer hat die Erkundung der Südbahn Beiträge geliefert. Die Besiedlungsfähigkeit der Uheheländer und der Gebiete am Meru und Kilimanjaro ist in dem Bericht über die Wirtschaftlichen Eisenbahn-Erkundungen im mittleren und nördlichen Deutsch-Ostafrika behandelt.
V.l: