Druckschrift 
Tangaland und die Kolonisation Deutsch-Ostafrikas : Thatsachen und Vorschläge / von Karl Kaerger
Entstehung
Seite
162
Einzelbild herunterladen
 

162

niemals veranlaßt werden wird. Eher könnte man schon einige Erfolge von der Durchführung des zweiten Vorschlags: Entsendung von Expe­ditionen zur Anregung und Sicherung des Zuzugs und Errichtung von Arbeiterwerbeplätzen erwarten.

Durchaus verwerflich aber ist der Rathschlag, die Einführung frem­der Arbeiter, also doch wohl indischer und chinesischer Kulis zu begünstigen. Denn Eines dürfen wir doch nie aus den Augen verlieren. Wenn uns auch die wirtschaftliche Verwerthung unserer Kolonien als wichtigstes Ziel unserer kolonialen Thätigkeit vorschweben muß, weil nur bei wirt­schaftlichem Gedeihen der Kolonien idealere Ziele daselbst erreicht werden können, so muß diese wirtschaftliche Thätigkeit doch stets Hand in Hand gehen mit der moralischen und kulturellen Erziehung der unserer Macht unterworfenen Bevölkerungen. Diese Aufgabe aber kann außer durch die Wirksamkeit der Mission nur gelöst werden durch ausgedehnte Heran­ziehung der Eingeborenen selbst zu wirtschaftlichen Arbeiten; sie wären aber schon gefährdet durch die Einführung auch nur einer kleinen Anzahl Fremdlinge, insbesondere von Chinesen, die bis jetzt überall, wo sie hin- gedrungen sind, einen entsittlichenden Einfluß auf die eingeborene Be­völkerung ausgeübt haben.

3. Irr Nandvrrthrilungsrnrkhodr.

Die an und für sich schon schwierige Aufgabe das' für die Ent­wickelung einer Kolonie gedeihlichste Landvertheilungssystem aufzustellen, wird in Ostafrika noch dadurch besonders verwickelt, daß in einem Theil der Kolonie (in Usegua, Unguu, Usagara, Ukami, dem Küstengebiet und der Insel Mafia) die D. O. A. G., im übrigen aber die Reichsregierung das Occupations- und damit auch das Verfügungsrecht an herrenlosem Boden hat.

Wenn dieser Zustand auch gegenwärtig kaum üble Folgen zeitigen wird, weil die Kultivirung der dem Verfügungsrecht des D. O. A. G. unterworfenen Gebiete - von einzelnen Theilen der Küstengebiete abge­sehen vorläufig von Europäern wohl noch nicht in die Hand genommen werden wird, so wird er auf die Dauer sich doch als unhaltbar erweisen. Denn die Landvertheilungsmethode bildet einen so integrierenden Theil des ganzen Systems einer Kolonialverwaltung, daß sie, sobald sie anfängt praktisch zu werden, unmöglich durch einen fremden Willen beinflußt werden darf.

Gegenwärtig wird allerdings vor allem in Tangaland die Frage der Bodenvertheilung gelöst werden müssen. Für die Beantwortung keiner anderen Frage bietet ja nun die Kolonialgeschichte und die Kolonial- literatur ein so überreiches Material als gerade für diese. Von diesem ist nun zunächst einmal alles auszuscheiden, was sich auf Masfenbesiede- lung mit Europäern bezieht. Es kann also weder das von Wakefield für die Besiedelung von Kolonien der gemäßigten Zone aufgestellte und mit Glück, weil nicht wie in Südaustralien mit strenger Konsequenz des Gedankens, in Neu-Süd-Wales und Neu-Seeland durchgeführte System, noch das von mir auf Grund einer Anzahl, in Sao Paulo von mir vor­gefundener Thatsachen und der von mir in einem anderen Theile Brasiliens selbst gemachten Erfahrungen für die Besiedelung subtropischer Gebiete auf-