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Tangaland und die Kolonisation Deutsch-Ostafrikas : Thatsachen und Vorschläge / von Karl Kaerger
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zölle gemeiniglich vom Produzenten getragen werden. Auf den europäischen Märkten bilden sich die Preise für koloniale Waaren lediglich nach dem Gesichtspunkt ihrer Qualität. Der Handel nimmt ebenso wenig wie er die Eingangszölle im Konsumtionslande berücksichtigt, auch auf die Aus­fuhrzölle des Produktionsgebietes die geringste Rücksicht. Daß der Kaffee in Brasilien einen höheren Ausfuhrzoll wie in Java bezahlt, hat auf den Preis dieser Kaffeesorten nicht den allermindesten Einfluß. Und wäre der brasilianische Zoll hundertmal höher als der niederländische, brasilianischer Kaffee würde dem Importeur doch stets eine ungleich geringere Summe einbringen, als javanischer.

Diese Thatsache giebt uns ein vortreffliches Mittel in die Hand, einerseits die europäische Produktion in unseren Kolonien zu fördern, andererseits die Eingeborenen, ohne daß sie sich dessen klar bewußt werden, zu besteuern.

Gerade weil die wichtigsten Kolonialprodukte, insbesondere Kaffee, Tabak, Kakao und Vanille in anderen Kolonien Ausgangszölle bezahlen, stellen wir unsere Pflanzer unter günstigere Produktionsbedingungcn, wenn wir ihre Produkte frei aus dem Lande hinauslassen. Und warum können wir das? Weil wir für die Beschaffung von Mitteln zur Erfüllung staatlicher Aufgaben, deren Zweck gerade die Statuirung der Zölle in anderen Kolonien ist, andere Quellen in Ostafrika haben.

Diese Quelle ist die Arbeit vou Millionen vou Eingeborenen. Sie zur Beschaffung von Mitteln zu Staatsausgaben heranzuziehen, ist nicht mehr wie recht und billig, da sie selbst von unserer staatlichen Thätigkeit den größten Nutzen haben. Aus diesem Grunde sind die Ausfuhrzölle auf die von den Eingeborenen erzeugten, erbeuteten oder gesammelten Produkte zu belassen, dieselben auch auf die bis jetzt noch nicht betroffenen Produkte, wie insbesondere auf Kopra auszudehnen, und nötigenfalls, wenn die produktive Thätigkeit der Eingeborenen dadurch nicht etwa ge­lähmt werden sollte, zu erhöhen.

Außer dem Tabakszoll wäre nach diesem Gesichtspunkte nur eine Position des geltenden Zolltarifs abzuschaffen, die 30 pCt. Zoll aus Nelken. Wollen wir die Kultur des Nelkenbaumcs überhaupt fördern, so ist zollfreier Ausgang das beste Mittel, sie mit der von Sansibar und Pemba konkurrenzfähig machen. Natürlich wird dabei vorausgesetzt, daß diese Kultur von Europäern in die Hand genommen wird.

d. Ein anderer Vorschlag des Kolonialraths zu Gunsten der kolonialen Produktion geht dahin, für die aus den Kolonien ausgeführte Baumwolle Ausfuhrprämien zu bezahlen. Allein die Geschichte der kolonialen Handelspolitik zeigt, daß die Zahlung von Ausfuhrprämien deswegen ihre bedenklichen Seiten hat, weil sie znr Ausfuhr minderwerthiger Pro­dukte ins Mutterland Anlaß geben kann. Bei der Baumwolle wäre der Eintritt dieses Falles um so schlimmer, als sie das Rohprodukt für eine der wichtigsten deutschen Industriezweige liefert. Setzen wir nun den Fall, die Baumwollenproduktion unserer Kolonien wüchse so, daß die Tertil- fabriken den größten Theil ihres Rohmaterials von dorther beziehen könnten, so würde das, falls die dortige Baumwolle vou schlechter Qualität wäre, aber dennoch in Folge der Prämie Absatz fände, zu einer Ver­schlechterung der deutschen Baumwollenwaaren und damit zu einer Ver-