135
nicht zu unseren Gunsten geregelt wird, auf andere Maßnahmen zu sinnen, die auf anderen Wegen die Zufuhr deutscher Waaren nach Ostafrika begünstigen. In derartigen Maßnahmen kann durchaus kein vertragswidriges Verhalten gegenüber England erblickt werden. Deutschland hat sich durch jenes Abkommen eines Theils seiner Souveränitätsrechie entäußert, und solche Entäußerungen sind stets striotwsinis zu interpretiren.
1r. Erniedrigung der Frachten.
Wir haben nun in der That ein solches Mittel in der Hand, welches sogar zu dem Zweck geschaffen worden ist, den Handel mit deutschen Waaren nach Ostafrika zu heben, das aber diesem Zweck bisher absolut nicht entsprochen hat. Es ist das der Subventionsvertrag mit einer Dampferlinie nach Ostafrika. Die Aequivalente, welche diese Gesellschaft dem Reich für die 900 000 M. jährlicher Subvention leistet, sind entschieden viel zu gering, und die Gesellschaft zeigt auch nicht das allergeringste Bestreben dem Zweck, dem sie ihr Dasein verdankt, dadurch zu dienen, daß sie, soweit es in ihrer Macht liegt, den Verkehr Deutschlands mit der Kolonie zu heben sucht. Ihr ganzes Verhalten begründet vielmehr den Verdacht, daß ihr die ganze koloniale Beigabe im höchsten Grade lästig ist und daß sie es als ihre Hauptaufgabe ansieht, den Verkehr Portugals mit dessen Kolonien zu heben. Nur mit äußerstem Widerstreben hat sie sich dazu verstanden, drei Häfen der Kolonie anzulaufen, statt wie im Anfang, nur einen. Die Küstendampfer nehmen in ihren Fahrten auf die Bedürfnisse der portugiesischen Kolonien ungleich mehr Rücksicht als auf die der deutschen. Zur Zeit meiner Anwesenheit fuhren dieselben nach Ankunft der großen Dampfer nicht etwa sogleich nach der deutschen Küste, sondern zuerst nach den portugiesischen Häfen, so daß sich der Transport von deutschen Waaren nach der Kolonie oft Monate lang verzögerte. Die Küstendampfer liefen oft Abends nach 6 Uhr ein und am nächsten Morgen schon wieder fort. Wenn ihr Erscheinen überhaupt zufällig bemerkt wurde — es selbst bekannt zu machen, hielt man für überflüssig, — so blieb selten Zeit, um die Waaren zu löschen und zu laden, da in der späten Abendstunde natürlich keine Arbeiter erhältlich waren. Auf die unentwickelten Verhältnisse an der Küste bezüglich des Waarentransports von und an Bord wurde nicht die geringste Rücksicht genommen. Die Generalvertretung in Sansibar nahm ebenso wenig auf den Passagierverkehr mit der Küste irgend welche Rücksicht; die Dampfer nach dort wurden ohne vorherige Ankündigung abgelassen, wenn es ihr gerade paßte, und es ist vorgekommen, daß eine Anzahl Passagiere in Sansibar noch am Tage vor dem Abgang eines Küstendampfers nach Tauga im Unklaren gelassen worden sind, ob das Schiff doch nicht noch schließlich die Fahrt nach den in jeder Richtung bevorzugten portugiesischen Kolonien antreten würde. Waaren, die von Deutschland nach Tauga bestimmt waren, sind oft so tief unten in die Schiffe verstaut worden, daß sie erst nach Sansibar gebracht werden mußten, um dort ausgeladen und dann erst nach Tanga zurückgeliefert zu werden. Solches ist geschehen mit dem Marine-Denkmal und, wenn die Zeitungsnachrichten richtig sind, auch mit Instrumenten für die Ingenieure der Bahn Tanga— Korogwe und 20 000 Stück Ziegeln, welche sogar auf dem „Kanzler" mit