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Tangaland und die Kolonisation Deutsch-Ostafrikas : Thatsachen und Vorschläge / von Karl Kaerger
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sogenannte Wellfleisch verzehrt, wird in den Tropen noch eher seiner Leber und seinem Magen schaden, als in der gemäßigten Zone, aber ein mäßiger Genuß von nicht fettem Schweinefleisch, das sogar zu den leicht­verdaulichsten Fleischarten gehört, sowie von Würsten auch aus fetterem Fleisch kann niemals schaden. Ganz besonders wichtig wäre aber die Schweinehaltung wegen der Gewinnung von Fett zu Küchenzwecken, da ein solches ja in Ostafrika durchaus mangelt.

Das Halten von Ziegen, Schafen und Federvieh ist nicht so wichtig, als daß es zum Gegenstände einer besonderen wirtschaft­lichen Thätigkeit seitens der Europäer gemacht werden brauchte. Das mag, soweit es den Bedarf des eigenen Haushalts übersteigt, den Ein­geborenen überlassen bleiben. Nur die gelegentliche Einführung von Brahmaputrahühnern aus Indien oder der spanischen guten Eierlegerinnen wäre ganz wünschenswert, da die einheimischen Hühnersorten nicht gerade hervorragende Eigenschaften zeigen.

Wichtiger erscheint der Versuch durch Kreuzung von Maskateseln mit eingeführten Pferdestuten Maulesel zu züchten, da diese sich bisher als die in den Tropen brauchbarsten Last-, Zug- und Reitthiere erwiesen haben. Freilich setzt das voraus, daß auch die Pferde in unserer Kolonie ihr Gedeihen finden, und ob dies der Fall ist, kann nach den bisherigen Versuchen noch nicht als entschieden gelten.

Die Eselzucht wird sich als Nothwendigkeit erweisen, wenn die von mir gemachten Vorschläge der Lastenbeförderung in Ostafrika aus­geführt werden sollen. In diesem Falle wird die Frage nach der Zähmung der afrikanischen Elephanten, deren glückliche Lösung ja sehr viele Vortheile hätte, an Wichtigkeit verlieren.

3. Der Intensitätgrad der Landwirthschaft.

Einleitendes.

Die Inangriffnahme der Viehzucht seitens der Europäer ist die erste Voraussetzung für einen landwirthschaftlichen Betrieb, dessen Intensität sich über den niedrigen Stand der Negerwirthschaft erhebt.

Wenn man sich dem Glauben hingiebt, daß wir nach dem Vorbilde anderer Kolonien in Ostafrika Jahrzehnte lang einen ungezügelten Raub­bau treiben könnten, so befindet man sich dabei in einem verhängniß- vollen Irrthum. Allen solchen optimistischen Vorstellungen gegenüber kann nicht scharf genug betont werden, daß das mit großer Fruchtbarkeit aus­gestattete Land in Ostafrika verhältnismäßig selten ist, daß insbesondere ein gewaltiger, von keinem Steppengebiet unterbrochener, zu irgend einer bestimmten Kultur gleicherweise geeigneter Landkomplex nirgends in Ost­afrika zu finden ist. Wollte man also dem Beispiele anderer Jungländer folgen und unter Verbrachung des zuerst bebauten Bodens alljährlich immer neue Strecken der Kultur desselben Gewächses unterwerfen, so würde man bald, wenigstens mit dem küstennahen, tauglichen Land am Ende sein. Aber auch die kulturfähigen Strecken sind nicht von so über- schwänglicher Fruchtbarkeit, daß man mit ganz extrensiven Bearbeitungs­methoden noch einen für die Rentabilität des Unternehmens genügenden Ertrag dem Boden entlocken könnte. Nein, es wird harte Arbeit erfor­dern, ehe wir etwas befriedigendes erzielen können, wir werden uns