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Tangaland und die Kolonisation Deutsch-Ostafrikas : Thatsachen und Vorschläge / von Karl Kaerger
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allein zur Beschaffung genügender Frachten ausreichen würde. Die wichtigste Stelle seiner Rentabilitätsberechnung nimmt die Summe von 40 Millionen Kilo auszuführender einheimischer Ackerbauprodukte ein, neben welchen noch 13,7 Millionen Okkupationsgüter und die natürlich vollständig von der Höhe der Alls fuhr abhängenden Einsuhrwaaren angeführt werden. Ich glaube, man darf sich darüber keinerlei Illusionen hingeben, daß eine solche Steigerung der einheimischen landwirthschaft- lichen Produktion auf friedlichem Wege Vohsen will ausdrücklich jeden Zwang ausgeschlossen wissen kaum am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts erfolgt sein dürfte.

Bon andern Vorschlägen möchte ich als eilten nach meiner Ansicht ganz verkehrten den Rathschlag Banmanns hervorheben, die Eingeborenen zu veranlassen, neben dem landesüblichen Tabak auch bessere exportfähige Tabaksvrten anzubauen. Denn es ist eine bekannte Thatsache, daß beim Tabak die Verschiedenheit der Sorten auch nicht entfernt den gleichen Ein­fluß auf die Qualität ausübt, als die natürlichen Verhältnisse (Boden und Klima), die Pflege und die Bearbeitung es thun. Da nnn aber die Neger, ob sie nun aus Sumatrasamen oder aus einheimischen ihre Pflanzen gezogen haben werden, doch ihnen die gleich schlechte Pflege und die gleich erbärm­liche Bearbeitung nach der Ernte angedeiheu lassen würden, so wäre aus dieser Maßregel nicht die geringste Verbesserung der Qualität zu erwarten. Wollte man nun aber der Tabaksknltur der Eingeborenen eine solche Ausdehnung zu geben versuchen, daß das Produkt expvrtirt werden könnte, so würde die jämmerliche, schlechte Qualität dieses Pro­duktes höchst wahrscheinlich dein Ruf des europäischen Ostafrikatabaks, selbst wenn derselbe auch in keiner Eigenschaft mit den: einheimischen übereinstimmen würde, beträchtlichen Schaden thun. Sollte die deutsche Tabakkultur in Tangaland einen großen Umfang gewinnen, so wird man vielmehr aus diesem und einem später zu erwähnenden stener- politischen Grunde die Frage in Erwägung zu ziehen haben, ob man von der Ausdehnung des Tabaksbaues den Eingeborenen nicht lieber abrathen soll.

IV. Die dritte Kolonisationsstuse.

kt. Die Frage der Unternehmungsform.

Behufs Beantwortung der Frage, in welcher Weise die deutschen Kolonisatoren die Thätigkeit der dritten Kolonisationsstuse auszuüben haben, müssen wir zunächst untersuchen, ob es vortheilhafter erscheint, wenn neben den jetzt bestehenden kapitalistischen Gesellschaften auch Einzelunternehmer die Bewirthschaftung deS Landes übernehmen sollen, oder ob diese jenen allein überlassen bleiben soll.

Beide Unternehmungsfvrmen haben ihre Vorzüge und ihre Nach­theile.

Der größte Nachtheil der Gesellschaften liegt darin, daß es für sie, namentlich im Beginn einer kolonisatorischen Entwickelung ungemein schwer hält, passende Beamte zu finden, und daß das Wirthschaften selbst mit vortrefflichsten Beamten die Unkosten ungemein vermehrt. In erster Linie gilt diese Schwierigkeit bezüglich des leitenden Beamten,