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2. Viehzucht.
Kaum irgend eine Thätigkeit würde das wirtschaftliche Niveau der Kolonie und zugleich die Lebensbedingungen der dort lebenden Europäer in gleich hohem Grade heben, wie der Betrieb von Viehzucht. In erster Linie müßte die Rindviehzucht ins Auge gefaßt werden. Große Gebiete unserer Kolonien sind hierfür geeignet, das Land zwischen Sigi und Mkulumusi, ganz Digo, der Steppenstreifen vor Bondei, die Gegend am Kwa Lutindiberg, woselbst ein besonders gutes Gras wächst, das Pangani- thal, der Distrikt Makanja, die Distrikte Wugire uud Kwambugu, ganz Pare und wohl auch die unteren Abhänge des Kilimandscharo und Märu- berges. Diese Viehzucht kann entweder den Zweck haben, Fleisch zu liefern und Zugthiere heranzuziehen, oder aber auch zur Milchgewinnung zu dienen. Im ersteren Fall würde eine etwas rationellere Behandlung des einheimischen Buckelviehs genügen, im letzteren müßte der Versuch gemacht werden, durch Einführung besseren Milchviehs die Rasse zu verbessern, denn die afrikanischen Kühe geben so kläglich wenig Milch, — kaum 1 Liter den Tag in den besten Zeiten — daß die Kosten ihrer Haltung in keinem Verhältniß zu dem aus der Molkerei erzielten Erträgen stehen. Man sollte daher einmal versuchen, durch Kreuzung des einheimischen Buckelviehs mit europäischen Rindern — was zoologisch möglich ist — eine zugleich milchergiebigere und gegen das Klima widerstandsfähige Mischraffe zu erzeugen. Um einen Erfolg zu erzielen und namentlich das fremde Vieh möglichst lange gesund zu erhalten, müßten die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln zum Schutze des Viehs gegen das Klima getroffen werden. Vollständig regensichere, möglichst kühle und gut zementirte Ställe, ein den heimischen Gewohnheiten möglichst angepaßtes Futter und Sorge für gutes Wasser wären unbedingte Erfordernisse. Die dadurch entstehenden größeren Ausgaben würden sich reichlich lohnen. Milch, Butter und Käse würden einen reißenden Absatz finden und hoch bezahlt werden. Natürlich ist diese Molkereiwirthschaft nur in der Nähe größerer Ortschaften denkbar. Butter allerdings ließe sich bei wachsendem Konsum auch mehr im Innern herstellen und in Blechbüchsen nach der Küste versenden und die Herstellung von Käse könnte, ohne Gefahr der Verderbniß auf dem Transport nach den Absatzmärkten, selbst noch am Kilimandscharo mit Vortheil betrieben werden. Auch die Einführung indischen Rindviehs behufs Kreuzung mit dem einheimischen würde von großem Vortheil sein. Das indische Stierrind, Gayal, soll mit anderen Rassen gekreuzt vorzügliche Milchthiere, deren Milch einen großen Fettgehalt hat, liefern, (Wohltmann paZ. 421) und daß der indische Buckelochse (Zebu) sich vorzüglich zum Zuge eignet, hat man bei den von Indien nach Ostafrika eingeführten Ochsen genug Gelegenheit zu beobachten gehabt. Außerdem soll die Zeburasse leidliche Milchthiere und vorzügliche Fleischthiere liefern (u. a. O. 423), so daß die Inangriffnahme von Zebuzuchten — nicht die bloße Einführung von Zebuochsen — wohl als die Nächstliegende Aufgabe auf dem Gebiete der ostafrikanischen Viehzucht zu betrachten ist.
Auch die Schweinezucht kann nicht dringend genug für unsere Kolonien empfohlen werden. Daß das Schweinefleisch für die Tropen eine unpassende Kost sei, ist bekanntlich eine ganz verkehrte Anschauung. Wer natürlich allzuviel Fett oder fettdurchwachsenes Fleisch, z. B. das