roth und morgen todt sein, wird allerdings aber bei länger andauernden Krankheiten weit längere Zeit vor dem Kräfteverfall geschützt sein, als der Ungesunde.
Es giebt ja gewisse Menschen, denen das Klima gar nichts schadet, und die ihr ganzes Leben gesund unter den Tropen zubringen können, aber ihre Zahl ist eine überaus geringe und Niemand vermag zu sagen, welche Eigenschaften ihres Körpers sie so klimahart gemacht haben — das ist das Geheimniß der Individualität.
2. Es giebt keine absolut sicheren Schutzmaßregeln gegen die Malaria. Zwar ist nicht zu läugnen, daß, wer in hohen, luftigen, regensicheren Häusern wohnt, gnt ißt und mäßig trinkt, sich vor Erkältungen, Verdauungsstörungen, Sonnenbrand, Sumpfluft und starken psychischen Erregungen schützt, und weder faullenzt noch sich überanstrengt, dem Fieber weniger Angriffspunkte darbietet, als wer diese hygienischen Maßregeln vernachlässigt; aber sicher vor ihm ist er keineswegs. Daß auch der prophylaktische Gebrauch des Chinins, so sehr er namentlich beim passireu von fieberschwangeren Gegenden anzurathen ist, wenn ununterbrochen fortgesetzt, nicht einmal vor den schlimmsten Fieberarten schützt, das hat in recht trauriger Weise der jüngst erfolgte Tod des Regierungsarztes in Kamerun Dr. Zahn bewiesen, eines Mannes, der Jahre lang in Ostindien gelebt, in Kamerun anfangs stark am Fieber gelitten sich aber dann über ein Jahr lang durch wöchentliche Dosen von 1—1,5 Gr. Chinin gesund erhalten hatte.
3. Es giebt gegen gewisse Arten von Tropenfieber kein sicher wirkendes Heilnüttel. Es sind dies die als preniciöse Fieber zusammengefaßte Arten, die den Tod machmal innerhalb 24 Stunden herbeiführen, und eine schleichende, chronische Form, welche, wenn die Natur sich nicht selber hilft, meist zum Verlassen der Tropen nöthigt. Die gewöhnlichen Fieber lassen sich ja allerdings während des Anfalls mit Antipyrin und zur Verhütung von Wiederholungen mit Chinin in zufriedenstellender Weise heilen.
4. Eine Acclimatisation im tropischen Afrika ist für den dem Fieber ausgesetzten Menschen nicht möglich. Je länger derselbe vielmehr dort verweilt, desto mehr wird sein Körper durch die Fieber geschwächt, desto mehr tritt insbesondere eine schlechtere Blutbeschaffenheit (Anämie) bei ihm ein und desto geringer wird daher seine Widerstandsfähigkeit gegen das Klima überhaupt. Die Möglichkeit, von einem perniciösen Fieber plötzlich hinweggerafft zu werden, wächst bei solchen fieberanfälligen Menschen im geraden Verhältniß zur Länge der Zeit, die sie in den Tropengegenden zubringen.
Angesichts dieser Thatsachen möge Jeder der nach Ostafrika ziehen will, sich bewußt sein, daß er der gleichen Gefahr für Leben und Gesundheit entgegengeht, als zöge er auf das Schlachtfeld. Wer ihm anderes vorzureden sucht, handelt gewissenlos.
II. Das Leben in Tanga.
Wenn in der ersten Zeit nach dem Aufstand Tanga als ein zur Kolonisation besonders gut geeigneter Ort gerühmt wurde, so kann, wer