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Tangaland und die Kolonisation Deutsch-Ostafrikas : Thatsachen und Vorschläge / von Karl Kaerger
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seher und Leiter des Tischlerei-Unternehmens fungirt hätte. Dazu hatte er aber leider nicht die Fähigkeit; halte er es doch mit Mühe und Noth gerade fertig gebracht, einem jungen Neger etwas Hobeln und sägen bei­zubringen, und dabei noch den Charakter des Menschen durch seine Nachgiebigkeit gegen ihn in Grund und Boden verdorben.

Ein anderes gewerbliches Unternehmen hatte ich selbst der von mir vertretenen Gesellschaft vorgeschlagen: die Bananeutrocknerei. Ich habe auch in der That mit durchaus zufriedenstellendem Resultat einen kleinen Posten Bananen in einem dazu mitgenommenen Ryderschen Dörr- apparat getrocknet und schon mit demselben Dampfer nach seiner Rückkehr aus dem Süden, mit dem ich angekommen war, an die Gesellschaft in Wiesbaden geschickt, allein die Thatsache, daß die Bananen zu theuer, zu geringwerthig und zu selten waren, um einen solchen Betrieb lohnend erscheinen zu lassen, hießen mich denselben bald wieder einstellen.

Eine erfolgreiche gewerbliche Thätigkeit hat in Tanga ein deutscher Schuster begonnen, der für den Anfang sich nur auf Ausbesserung zerrissenen Schuhwerks und der Anpassung passender Stiefel an die Füße der Sudauesensoldaten beschränkte; da er im übrigen zu allen möglichen Thätigkeiten brauchbar ist uud ein sparsames und den Verhältnissen ange­paßtes Leben führt, so wird er bei diesen beiden, für jeden Kolonisten so werthvollen Eigenschaften, treffen ihn keine unglücklichen Zufälle, sicherlich in unserer Kolonie sein Fortkommen finden.

v. Die Lebensbedingnngen für den Europäer.

I. Das Klima.

Fast möchte es scheinen, als ob von allen Tropengegenden Afrika das schlechteste Küma habe. Wenn selbst in dem verrufeneren Guinea im Durchschnitt nur 2 von 1000 Malariakranken dieser Krankheit zum Opfer fallen,^) wenn man in dem fieberschwangeren Sumatra so gut wie alle Malariakranken heilen zu können glaubt, so ist demgegenüber die Sterblichkeit nicht nur in dem ja entschieden noch ungünstigeren West­afrika sondern auch in Ostafrika eine sehr viel größere. Und selbst der sonst so gern gehörte Trost, daß die fortschreitende Kultur das Klima bessere, ist durch die Aufdeckung der Thatsache einigermaßen getrübt worden, daß in Mauritius, woselbst die Malaria früher nicht gekannt war, seit einigen Jahren dieselbe mit großer Heftigkeit aufgetreten ist.

Folgende Punkte sind es, welche die Angriffe des Tropenklimas auf den Europäer, insbesondere die Tropenfieber zu so schwer zu be­kämpfenden machen.

1. Es giebt keine Körperkonstitution, von der man von vornherein annehmen könnte, daß sie dem Klima Widerstand zu leisten vermöge. Wohl läßt sich behaupten, daß gewisse Fehler der Konstitution, wie beispielsweise Herz-, Leber- und Magenkrankheiten dem Menschen mehr oder weniger widerstandsunfähig machen, aber auf der anderen Seite ist selbst der gesündeste, mit tadellosen Organen ausgestattete Mensch vor den verderblichen Wirkungen des Klimas nicht sicher. Auch er kann heute

-) Nach Klimatologie der Tropen von Dr. O. Schellong.