Dr. Filippo Rho.
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eine empyreumatische Substanz, in Gestalt eines Öles daran Teil nimmt, welche sich beim Rösten entwickelt und die feinen und beliebten Sorten so wohlschmeckend macht.
In mäßigen Mengen genossen hat der Kaffee einen belebenden Einfluß auf den Körper, was in gesteigerter Herz- und Hirntätigkeit zum Ausdruck kommt. Er bewirkt ein Gefühl der Erquickung, dem kein Depressionszustand folgt. Je nach der Veranlagung der einzelnen Individuen tritt diese Anregung der Gehirntätigkeit in verschiedener Weise zutage.
Der Einfluß des Kaffees auf die Verdauung im Magen ist nicht klar. Es steht jedoch fest, daß Kaffeegenuß nach der Mahlzeit bald das Gefühl von Fülle im Magen beseitigt, welches mit der Sättigung einhergeht.
Im Übermaß genossen steigert Kaffee die Erregbarkeit der Organe der Perzeption ond bewirkt dadurch Schlaflosigkeit und außerdem Zittern in den Händen, Herzklopfen usw.
Fortgesetztes Übermaß im Genuß, welches bei manchen geistig arbeitenden Menschen, bei berufsmäßigem Kosten der Proben von Kaffee und Tee u. a. vorkommt, ist keineswegs unschädlich, sondern ruft dyspeptische Erscheinungen, Störungen der Herztätigkeit und Schwäche des Herzmuskels hervor.
Zum Glück ist die Neigung zum Mißbrauch des Kaffees bei weitem nicht so verbreitet wie zum Abusus spirituosorum. In heißen Ländern und im gemäßigten Klima in der wärmeren Jahreszeit ist der verdünnte, kalte und genügend gezuckerte Kaffeeaufguß das geeignetste Getränk zu Löschen des Durstes, zur Erfrischung des Körpers nach Anstrengungen, besonders für Truppen auf dem Marsche, für Maschinisten und Heizer auf den Dampfern.
Wegen der fehlenden Depression nach der Erregung des Nervensystems, sowie wegen der geringen Gefahr des gewohnheitsmäßigen Mißbrauchs sind Kaffee und ebenso Tee den alkoholischen Getränken weit vorzuziehen.
Literatur.
1899 Lewin, Die Nebenwirkungen d. Arzneimittel. Berlin, Hirschwald. S. 247.
1898 Pouchf.t, Bulletin gen. de therapeutique. t. OXXV. p. 753.
Tee.
Mit Tee bezeichnet man die Blätter von Thea chinensis und verwandten Arten, T. viridis , T. bohea, T. stricta, Familie Theaceae, Teegewächse. Es ist ein in großem Umfange in Japan, China, Java, Indien. Ceylon und auch in Brasilien und den Vereinigten Staaten von Nordamerika kultivierter Strauch. Die Blätter werden dreimal im Jahre gepflückt und getrocknet in den Handel gebracht. Je nach der Herrichtung unterscheidet man schwarzen und grünen Tee. Die Blätter des schwarzen Tees unterwirft man vor dem Trocknen einer leichten Fermentation; die letzteren werden gleich nach der Einsammlung getrocknet und gewöhnlich künstlich gefärbt. Das Trocknen geschieht unter fortwährendem Umrühren in eisernen, offenen, erwärmten Pfannen. Hierauf werden die Blätter mit der Hand oder besonderen Maschinen gerollt und wiederum ein oder mehrere Male in den Pfannen erwärmt. Die feinsten und aromatischsten Sorten sind die, welche wiederholt die Prozedur des Erwärmens durchgemacht haben.
Die wichtigsten Bestandteile des Tees sind: Thein oder Coffein, Tannin, Eiweißstoffe, Gummi, Dextrin, ein ätherisches Ol, Fette und verschiedene mineralische Salze.
Der Gehalt des Tees an Thein schwankt zwischen 1 und 5 °/ 0 , an Tannin zwischen 8 und 26 °/„.
Die physiologische Wirkung des Tees deckt sich im allgemeinen mit der des Kaffees. Der größere Gehalt an Coffein wird durch die geringere Menge der zu dem Aufguß erforderlichen Blätter aufgewogen. Grüner Tee ist stärker als schwarzer. Ganz außer acht lassen darf man die übrigen Substanzen, besonders das das Aroma bedingende ätherische Öl jedoch nicht. Bei nur an Kaffee gewöhnte Menschen kann eine Tasse Tee schon eine schlaflose Nacht bewirken und umgekehrt. Die dyspeptischen Beschwerden und Folgen übermäßigen Teetrinkens sind schwerer als bei Kaffee und vielleicht eine Folge des hohen Tanningehaltes.