Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
287
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Vergiftungen durch pflanzliche Gifte.

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Nach 0,10 Centigramm per os genommen, fand Freud, daß die Druckkraft einer Hand um 24 kg vermehrt war, die beiden Hände zusammen um 45 kg. Die Steige­rung der Muskelkraft tritt rasch nach etwa 15 Minuten ein und hält, allmählich schwächer werdend, 45 Stunden an.

Der Mißbrauch des Coca und des Cocains führt zum chronischen Cocainismus mit Abmagerung und allgemeiner Kraftlosigkeit, Schwäche der Willenskraft und des Gedächtnisses, Störungen des Blutumlaufs und der Herztätigkeit, Sinnes­täuschungen verschiedener Art, Zittern, Krämpfe, geistiger Verwirrtheit, Delirien und Tobsuchtsanfällen.

Literatur.

1884 Freud, Heffters Zentralblatt f. Therapie. II.

1901 Pocchet, Legons de pharmacodynamie. 1. s5rie. p. 446564.

1859 Mantegazza, Sülle virtu igieniehe e mediche della coca. Milano. Brigola.

1874 Derselbe, Quadri della natura umana. Feste ed ebbrezze. Milano. Brigola.

Kola.

Die Kola-Nufs ist die Frucht von Cola oder Sterculia acuminata , Fam. Stereu- liaceae, Stinkbäume, eines in den Küstenländern Westafrikas wildwachsenden Baumes, welcher sich durch einen hohen Gehalt von Coffein (24 %) auszeichnet. Die Sitte des Kolakauens ist im ganzen Sudan verbreitet. Nach den Untersuchungen von Dcjariiin-Baumetz und Monxet (1884) haben die Kola-Nüsse bei chronischen Durchfällen stark styptische Eigenschaften dank ihrem Gehalt an Tannin, vielleicht kommt auch dem sogenannten Kola-Rot und den Kolanin eine sekundäre tonische Wirkung zu.

Manche Neger kauen den ganzen Tag diese Nüsse, wobei sie den Speichel verschlucken. Die Folge ist eine Anregung des Zentralnervensystems, Kräftigung der Herztätigkeit, Vermehrung der arteriellen Spannung und Herabsetzung der Müdigkeit nach großen Anstrengungen.

Literatur.

1894 Heckel, Les Kolas africains. Paris. Soe. d6ditions scientif.

Kaffee.

Dieses auf der ganzen Erde gebrauchte Kolonialprodukt stammt von einer Pflanze aus der Familie der Rubiaceen oder Krappgewächse, Coffea arabica. Der Kaffeebaum stammt aus dem Süden Abyssiniens, wo er wild in einer Höhe von 16002250 Metern wächst, Jetzt erstreckt sich sein Anbau über die Hügelländer der ganzen Tropenwelt, wo die Temperatur nicht unter 12° C sinkt.

Die Analyse der Kaffeebohnen ergibt nach dem Durchschnitt zahlreicher Analysen berechnet folgende Zusammensetzung: Wasser ll°/ 0 , stickstoffhaltige Substanzen 12°/ 0 , flüssige und fette Öle 12,25%. Zucker, Gummi, Dextrin 10%, Asche 4,5%, Holzfaser 18%, stickstoffreie Substanzen 33%, worin 8% Kaffeegerbsäure und 10% Coffein inbe­griffen sind.

Das Coffein ist der wichtigste Bestandteil des Kaffees, sein Vorkommen erreicht selten 2 % und bewegt sich meistens, je nach der Güte der Bohnen, zwischen 0,70 und 1,50%. Diesem verdankt das aromatische Getränk seine Fähigkeit, als Excitans für das Nervensystem zu wirken, das Müdigkeitsgefühl herabzusetzen und das allgemeine Wohl­befinden zu steigern.

Wie beim Tee oder Tabak, so sind auch beim Kaffee die teuersten Sorten nicht gerade die gehaltreichsten, Mokka enthält z. B. nur 0,7 % Coffein. Um die nervöse Wirkung erklären zu können, muß man deswegen annehmen, daß neben dem Coffein noch