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Dr. Filippo Rho.
Dem Betel und den sonstigen beim Kauen benutzten Ingredienzien werden allerlei anregende, antidysenterische und anthelminthische Eigenschaften zuge- sclu'ieben. Der Gebrauch und Mißbrauch dieses Genußmittels mag unappetitlich, sein, schädliche Folgen für den Körper sind damit nicht verbunden.
Literatur.
1889 Lewin, Uber Areca catechu. Stuttgart, p. 89.
1889 Sonsino, Sul betel. Idrologie e climatologia med. Anno VIII. Nr. 4.
Coca.
Erythroxglon Com, der Hunger- und Durststrauch, ist ein zu der Familie der Linaceue, Lcingcivcirhsc, gehörige, in Peru, Bolivien und den Nachbarländern heimische Staude, welche dort seit den ältesten Zeiten angebaut wird.
Die Blätter werden von den eingeborenen Stämmen als anregendes Mittel gekaut. Schon die Spanier fanden bei ihren Eroberungszügen diesen Gebrauch vor. Die alten Inkas schätzten die Coca sehr hoch und schrieben ihr anregende Wirkung auf den Geschlechtstrieb zu, sowie die Eigenschaft, den Körper gegen Strapazen widerstandsfähig und eine Zeitlang gegen Hunger und Durst unempfindlich zu machen. Noch heute unterläßt es kein Indianer, welcher weite Märsche zu machen, schwere Lasten zu tragen oder irgend eine andere anstrengende Arbeit zu leisten hat, sich mit seiner „Cliuspa“ oder „Kualqui“, einem Beutel zur Aufnahme von Cocablättern, zu versehen und an seinem Gürtel eine kleine Büchse zu befestigen, welche Kalk „cliipta“ und Asche von gewissen Pflanzen, vorwiegend Chenopoditnn Quinoa (Fam. Chenopodiaeeae, Mcldengewächse) enthält. Diese Zusätze machen die Cocablätter beim Kauen schmackhafter und erleichtern die Lösung der wirksamen Stoffe, Die „Coqueros“, Kokakauer, sollen in verschiedenen Portionen täglich 20—40 g Blätter verbrauchen. Die Cocablätter entwickeln beim Kauen einen bitterlichen zusammenziehenden Geschmack, wodurch die Speichelabsonderung angeregt wird. Nach kurzer Zeit wird wegen der anästhesierenden Wirkung das Geschmacksvermögen alsdann deutlich abgestumpft, während sich vom Magen aus ein Gefühl von Wärme und Wohlbehagen durch den ganzen Körper verbreitet.
Mantegazza, welcher längere Zeit an sich selbst Versuche mit Coca anstellte, gibt als wichtigstes Symptom nach dem Genüsse von geringeren Mengen. 4—8 g, das Gefühl von Kraft und gesteigerter Beweglichkeit, großer Lebhaftigkeit der Sprache und Leistungsfähigkeit zu jeglicher Arbeit an. Nach höheren Dosen bemerkte er das allmähliche Auftreten eines glückseligen Zustandes der Trennung von der übrigen Welt und einer manchmal von triebartiger und ungestümer Muskeltätigkeit unterbrochenen Unbeweglichkeit. Alsdann versank er in Schlaf, welcher bald tief und traumlos. bald von angenehmen Visionen erfüllt war. Allmählich verschwand auch dieser Zustand, ohne eine Spur von unangenehmen Empfindungen zu hinterlassen.
Die angenehm anregende Wirkung der Coca rührt fast ausschließlich vom Cocain her, während der Gehalt an Hygrin und andere Basen toxokologisch von untergeordneter Bedeutung ist. Tatsächlich ruft das Cocai’num hytlro- chloricum bei gesunden Personen in Substanz gegeben ähnliche Symptome hervor, wie sie Mantegazza an sich selbst durch Kauen der Blätter beobachten konnte.
Freud nennt als Folgeerscheinungen des Cocakauens: Heiterkeit, Beweglichkeit, langsame und tiefe Atmung, anfangs leichte Verminderung der Pulsfrequenz, dann mäßige Vermehrung und Fülle des Pulses, gesteigerte Selbstbeherrschung und Arbeitskraft, so daß körperliche wie geistige Arbeit ohne Ermüdung mit Ausdauer geleistet werden kann. Dabei ist das Bedürfnis nach Nahrung und Schlaf völlig verschwunden. Diese Wirkung hält drei bis fünf Stunden an und verschwindet ohne unangenehme Nachwehen.