Vergiftungen durch pflanzliche Gifte.
285
sichtbar wird, gewöhnt sich mit wenigen Ausnahmen der Organismus leicht, ohne bei mäßigem Genüsse irgend welche Schädigung zu erleiden. Auch in den heißen Ländern ist die Gewohnheit des Rauchens allgemein verbreitet, ohne eine pathogene Ursache zu bilden. Trotzdem muß der Arzt diesem Umstande Rechnung tragen, wenn es sich um Herzklopfen, Herzschwäche, besonders um den Symptomkomplex handelt, den die Engländer als „weakened lieart“ bezeichnen, ferner in Fällen von Schwäche der Sphinkteren, Anaphrodisie, Sehstörungen wie Funkensehen, Trübung, Sehschwäche, Amblyopie mit Einengung des Gesichtsfeldes und Zentralskotom für rot und grün, seltener für blau. Alle diese Erscheinungen können Folgen des chronischen Tabaksmißbrauchs sein, jedoch nur bei Idiosynkrasie oder alten und unmäßigen Gewohnheits- l’auchern. Auch die schädlichen Folgen des Rauchens werden oft übertrieben geschildert, bei mäßigem Genüsse darf man nachsichtig sein einer Gewohnheit gegenüber, welche dem Menschen lieb geworden ist, weil sie ein „initium amicitiae, otium in negotio, negotium in otio“ bildet.
Es sei noch daran erinnert, daß die Gefahr der chronischen Nikotinvergiftung abnimmt vom Kautabak zur Zigarrette, zu den Zigarren, zur Pfeife und zum Narghile, der türkischen Wasserpfeife.
Betel.
Wie in den Ländern der Levante beim Eintritt in ein Haus dem Gaste das kleine Kaffeetäßchen dargeboten wird, so bringt in den Malayenländern und Indochina ein Diener den „Ipoc“ hei-bei, das Zubehör zu dem nationalen Kaumittel Siri oder Betel mit dem Spucknapf und den Schächtelchen für die verschiedenen Ingredienzien. In den verschiedenen Behältern befinden sich die frischen Blätter von Chavicn oder Piper Beile , dem Betelpfcffer, das bittere und adstringierende Gambir- Uarz und die zerkleinerten tanninreichen Mre/ca-Niisse.
Die Betelblätter, ambul des Malayen, werden mit ein wenig Kalk bestreut, mit einer Prise Gambir und einigen Stückchen Areka-Nuß zu einer kleinen Düte zusammengedreht und das geliebte Priemchen ist fertig und kann den Mund von Männern und Frauen, Alt und Hing verunstalten, indem es die Zähne schwärzt, die Lippen blutig färbt und zu widerwärtigem Ausspeien eines rotbraunen Speichels zwingt.
Aus den Betelblättern kann durch Destillation ein ätherisches Öl gewonnen werden, dessen Geruch an Tee erinnert. Nach Lewin sind die Bestandteile dieser Essenz: Chavicol (Paroxyallylphenol), Betelphenol und Cadinen. In Dosen von zwei Centigramm Kaninchen injiziert, ruft die Essenz Muskelbewegungen mit einem darauffolgenden Stadium der Ermattung hervor.
Gambir und Catechu oder Cachott, früher Terra japonica genannt, weil man die Droge für ein mineralisches Produkt liielt, werden oft unter demselben Namen zusammengofaßt. Das dunkle Catechu ist der Extrakt des Saftes von Akazien und von Areca Catechu, welcher zu einer rötlichen bräunlichen Masse gerinnt.
Das gelbe Catechu wird von Uneuria Gambir geliefert, der zur Gruppe der Kopfbliitler, Naucleeac Farn. Rubiaccae, Krappgeivächse, gehörigen Gambirpflanze. Es ist ein Tonicum und kräftiges Adstringens. Das wirksame Prinzip ist eine Verbindung der Gerbsäure des Catechin, Catec hu gerbsä u re.
Die Nüsse der Arek-Palme haben einen schwachen Gehalt eines von Lewin Arecolin genannten Alkaloides und andere verwandte Basen. Arecolin ruft nach Infektion eine übermäßige Reflexerregbarkeit hervor, gefolgt von Lähmung, Beschleunigung und Verlangsamung der Respiration und Herzschwäche. Kleine Dosen von 1—2 Centigramm genügen um ein Kaninchen zu töten. Es tritt jedoch rasch Gewöhnung an das Gift ein. Bei innerlicher Darreichung ist die Wirkung schwach oder gleich Null, so daß die Nüsse auch als Nahrungsmittel dienen.
h\
j>Vi
T
t —r