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Dr. Filippo Rho.
dieser Hinsicht nicht abgesprochen werden, solange die Tätigkeit der Hemmungs- zentren sozusagen ausgeschaltet, die Tätigkeit der automatischen Zentren dagegen gesteigert ist. Dasselbe gilt von den Nervinis überhaupt, z. B. Chinin, Strychnin, Morphin, Kokain und den Droguen, aus denen diese Mittel gewonnen werden, welche ohne von spezifischem Einfluß auf die Zeugungskraft zu sein, indirekt erregend wirken können. Der längere Gebrauch ist allerdings nicht ohne Gefahren, welche sich aus der sonstigen Wirkung des Mittels ergeben.
Es sei auch noch auf jene scharfen und aromatischen Gewürze verwiesen, welche der Volksglaube für wirksam hält, wie Pfeffer, Zimt, Würznelken, Kardamomen, Ingwer usw. und von den Arabern und anderen orientalischen Völkern ausgiebig gebraucht werden. Auch diese Stoffe beeinflussen den Sexualapparat in keiner Weise und können höchstens durch Anregung des Blutumlaufs und Reizung des Nervensystems überhaupt nur vorübergehend den erschlaffenden Geschlechtstrieb aufstacheln.
Es gibt allerdings Substanzen, welche die Fähigkeit besitzen, die im Rückenmark gelegenen Zentren der Erektion zu reizen. Diese künstliche Erregung ist aber, wenn sie wirklich eintreten und deutlich sein soll, der schließlichen Folgen wegen stets als gefährlich anzusehen. Zum Glück sind die in dieser Hinsicht wirksamen Pflanzen selten und ihre Wirkung milde, wenn nicht überhaupt zweifelhaft. Wie dem auch sei, in Asien werden zur Stärkung der geschlechtlichen Leistungsfähigkeit verschiedene Arten von Datum , außer D. Stramonium, angewandt, deren wirksames Prinzip Atropin, Hyoscyamin und Scopol am in sind Dafür bleiben auch die Vergiftungen durch Gebrauch und Mißbrauch dieser Gewächse nicht aus.
In Amerika enthält die Gruppe der Tarnrreen, Farn. Passifloraceac, einige angeblich geschlechtlich stimulierende Arten. Unter diesen steht Turnern aphro- disiaca L. F. Ward., welche in den westlichen Anden von Mexiko wächst und unter dem Namen Damiami bekannt ist, an erster Stelle. Durch den Mißbrauch des Extraktes der Turnerablätter sollen schon Vergiftungen vorgekommen sein.
In Afrika verwenden die Eingeborenen der deutschen Kolonie Südwest- afrika schon seit undenklichen Zeiten zur Wiederherstellung der Zeugungsfähigkeit und besonders der männlichen Potenz eine Abkochung der Rinde eines Yohimbchc genannten Baumes. Spiegel hat daraus ein Alkaloid, das Yohimbin, hergestellt, welches das wirksame Prinzip sein und nach Loewy u. A. in der Tat durch Hyperämie der Blutgefäße der Genitalien infolge Reizung des Erektionszentrums im Lendenmark den gewünschten Erfolg haben soll.
Literatur.
1903 Lewin-Pouchet. Traite de toxicologie op. eit. p. 665 über Turnereen und p. 758 über Datura Stramonium.
1900 Loewy, Uber Yohimbin. Berliner klinische Wochenschrift. Nr. 42.
1896 Spiegel, Über Yohimbin. Chemiker Zeitung. Nr. 20 und 1897 Nr. 21.
XIII.
Giftpflanzen, welche nach Ausscheidung des giftigen Prinzips zur menschlichen Nahrung dienen.
Für diese Nahrungsmittel kann der Maniok (Jura in Venezuela, Cassara in Guyana. Mandinca in Brasilien und Westafrika) als Typus dienen. Maniok wird aus einer Euphorbiacee, Jatropha Manihot L. oder Manihot atitiasima Pohl gewonnen, von