Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
261
Einzelbild herunterladen
 

m

Vergiftungen durch pflanzliche Gifte. 261

Literatur.

1881 Husemann, Illieium religiosum. Pharm. Zeit. Xr. 19.

1891 Kashimura, Phytolacca. Pharm. Journ. and Transaction. p. 1170.

1893 Schuchardt, Abrus precatorius. Korrespondenz d. ärztl. Ver. f. Thüringen, p. 11. 1884 Warden and Weddel. Abrus precatorius. Chem. News.

VIII.

Tropische Pflanzen, welche reizende Gifte enthalten.

Pflanzen, welche einen scharfen Saft absondern oder durch ihre Früchte usw. auf der Haut und den Schleimhäuten örtliche Entzündung hervorrufen, sind sehr zahlreich vertreten. Innerlich bewirken diese natürlich Magendarmkatarrhe, oft mit tödlichem Ausgange.

Als Typus dieser Kategorie von giftigen Gewächsen kann der auf den Antillen und in Mittelamerika wachsende Manzinellbaum oder Manzanillo angesehen wer­den, eine von dem Botaniker als Hippomane Mmicinclla L. bezeichnete Euphorbiacee. Über diesen, wie über den Upas Antiar, (s. S. 241) ist viel gefabelt worden, die Sage will sogar wissen, daß sein Schatten voll tödlichen Hauches sei. Die Früchte von der Größe einer Zitrone und appetitlichem Aussehen enthalten wie die übrigen Teile der Pflanze einen giftigen Milchsaft, welcher früher auch als Pfeilgift (s. S. 238) verwandt wurde. Der Saft enthält tatsächlich zwei sehr bittere und giftige Harze und führt, auf Pfeile gestrichen, bei angeschossenen Tieren zu Erbrechen, Kraftlosig­keit und Tod. Die Berührung der unverletzten Teile dieses Baumes ist ganz un­schädlich. Das Anfassen der abgebrochenen oder angeschnittenen Blätter und Früchte genügt aber schon, um einen heftigen Hautreiz besonders an weichen und empfindlichen Körperstellen hervorzurufen. Sogar der von den Blättern abfließende Regen kann schon Entzündung der Hautdecken bewirken, bez. der Augenbindehaut, wenn ein Tropfen in das Auge fällt. Wer in eine Frucht hineinbeißt, bekommt eine heftige Entzündung der Mund- und Rachenschleimhaut, die in Eiterung über­gehen und sich bis in den Magen erstrecken kann. Die unmittelbare innere Wirkung ist durch das völlige Fehlen von Allgemeinerscheinuugen gekennzeichnet, die leichte und vorübergehende Fieberbewegung läßt sich zur Genüge durch die örtlichen Läsionen erklären. In einigen Fällen sind heftige Kolik und blutige Durchfälle be­obachtet worden. Der Saft des Manzinellbaumes wirkt also ähnlich wie Krotonöl. Die tödliche Dosis ist anscheinend sehr hoch, denn selbst nach Genuß von vierund­zwanzig Früchten kann noch Genesung erfolgen. Übrigens gibt es in dieser Hinsicht, wie bei anderen Giften, Menschen von größerer und geringerer Widerstandsfähigkeit.

Die Eingeborenen Afrikas und Ostindiens wissen die Eigen­schaften anderer Euphorbiazeen zum Schutze ihrer Pflanzungen aus- zunutzeD, indem sie Umzäunungen und Hecken damit anlegen. Zweige und Blätter einiger Arten brechen leicht ah und es quillt aus ihnen ein äußerst stark ätzender Milchsaft hervor. Besonders scharf ist der Saft von E. Tiriiralli.

Auch Httra crepitans , der Sandbüchsenbaum, sei hier erwähnt, dessen als Pfeil- und Fischgift benutzter Saft des krystallinische Hur i n enthält und Dermatitis und pustulöse und purulente Augenentzündung mit nachfolgender Erblindung hervorrufen kann. Der Baum kann eine Höhe von 30 Metern erreichen. Seine holzige Frucht enthält in 1220 Fächern ebensoviel mandelförmige Samen. Wenn man die trockene Frucht schüttelt, so machen die locker sitzenden Mandeln ein rappelndes Geräusch. Die Samenkörner enthalten besonders in JJura crepitans den Keimen ein starkes Gift, wahrscheinlich ein Toxalbumin.

Tii

s -VI