Vergiftungen durch pflanzliche Gifte.
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den letzten 15 Jahren gelangten 29 solche Fälle zur Anzeige. Die Symptome der Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Leibschmerz, Betäubung, unregelmäßige Herztätigkeit und manchmal tetanische Krämpfe. Glycoside von ähnlicher Wirkung, Urecliitin und das schwächere Urechitoxin, enthält eine andere Apocynee, Urecliites suberecta Müll. Die kumulative Wirkung dieser Stoffe ist den sog. „Obis“ Indiens wohlbekannt, welche sie zur langsamen Vergiftung ihrer Opfer ausnutzen, wobei trotz vortrefflichen Aussehens und Allgemeinbefindens der betreffenden Person der Tod schließlich plötzlich eintreten kann.
Der Saft einer Asklepiadee, Asclepias An. oder Calotropis procera R. Bk. dient in Indien zum Kindsmorde, ln einer Dosis von etwa vier Gramm tötet das Mittel einen Hund unter ähnlichen Erscheinungen wie bei Blausäurevergiftung.
Aus Datura Stramonium L., dem auch bei uns auf ungepflegtem Boden vorkommenden Stechapfel, welcher wie die Belladonna Atropin, Hyoscyamin und Scopolamin enthält, bereiten die sibirischen Zigeuner ein „Dur“ genanntes Pulver und verkaufen es an Frauen, welche sich ihrer Männer entledigen wollen. Die Vergiftungen mit Datura sind auch in Indien an der Tagesordnung und kommen in Hunderten von Fällen vor, sei es in mörderischer Absicht, sei es zwecks Ausplünderung von Menschen, welche durch das Gift für mehrere Stunden bewußtlos gemacht werden. Das Mittel wird Speisen, Getränken und Tabak zugesetzt, die Sterblichkeitsziffer bei diesen Attentaten beziffert sich auf 10—20 Prozent. Datura fastuosa L. und D. Metel L. wirken ähnlich. Besonders letzteres wird in Asien viel benutzt, um Menschen zu vergiften, welche mau aus der Welt schaffen will. Das Gift wird mit allerlei Gewürzen innerlich gegeben oder schlafenden Personen in die Nase geblasen.
In Afrika wird eine Art Bilsenkraut, llyoscyamus Fulexlex, Goss., welches wie 11. niyer Hyoscyamin und Scopolamin enthält, von den in der Sahara hausenden Tuareg zur Ausplünderung der Reisenden benutzt. Die Expedition Flattere wurde auf diese Weise vernichtet. Ziegen und Kamele können dagegen die Pflanze ohne die geringsten Beschwerden fressen. In Asien findet zum gleichen Zwecke II. mu- ticus L. Verwendung.
Die irritierenden und kaustischen Euphorbiaeeen werden selten zu Mord oder Selbstmord benutzt, immerhin dient in Indien manchmal Cleistuntlius eollinus Bexth. dazu, und in Sierra Leone greifen Selbstmörder, um ihrem Leben ein Ende zu machen, zu einer kaktusähnlichen Wolfsmilchart, „Oro“ genannt, welche Blasenbildung im Munde, Erbrechen, Durchfälle, allgemeines (idem und nach einigen Stunden den Tod im Kollaps herbeiführt.
Literatur.
1863 Bates, Paullinia pinnata. The naturalist on the Amazonas. V. II. p. 82. 1901 Madras, Datura stramonium. Quarter ly Journ. v. XI. p. 167.
1893 Stockmann, Urechites suberecta. Med. chronicle. Febr.
V.
Pflanzen und pflanzliche Gifte, welche zur Tötung von großen oder
kleinen Tieren dienen.
Wir geben im folgenden eine kurze Übersicht über exotische Giftpflanzen, welche zur Tötung von Tieren verschiedenster Art Verwendung finden und gelegentlich durch Verwechslung Vergiftungen bei Menschen hervorrufen können. Mense, Handbuch der Tropenkrankheiten. I. 17