Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
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256
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Dr. Filippo Rho.

milchig getrübt, die betäubten Fische kommen an die Oberfläche, schnappen nach Luft mit weitgeöffneten Kiemen, verweilen dort wie gelähmt mit erweiterten Pupillen und können leicht gespießt werden.

Das wirksame Prinzip ist ein Glycosid von schneeweißer Farbe, welches durch die gebräuchlichen Reagenzien leicht nachgewiesen werden kann. Die Kristalle sind in Wasser unlöslich, löslich in Alkohol. Auf Zusatz von Wasser zeigt die alkoholische Lösung opalisierende Trübung. Fische sterben schon an einer Dosis von Viooooooo Gramm. Sub. kutane Injektion des Giftes tötet Kaninchen durch Herzlähmung.

Von anderen zum Fischfang angewandten, Saponin und andere Glycoside, Derride, Alkaloide usw. enthaltenden Pflanzen geben wir in den Seiten 253255 eine Zusammen­stellung.

Literatur.

1895 Comins, Diospyros inontana ecc. Pharm. Journ. p. 391,

1895 Coudreau, Iehthyothere Ounabi. Etudes sur les Guyanes. p. 166.

1895 Geoffroy, Note sur la Robina Xicou. Arcli. de med. nav.

1890 Greshoff, Pangium edule. Mededeelingen Batavia. Bd. VII. p. 109.

1890 Derselbe, Tephrosia verschiedene Arten. Mededeelingen Batavia. Bd. VII. p. 49. 1893 Derselbe, Dolichos bulbosus. Mededeelingen. X. p. 65.

1890 Derselbe, Derris elliptica. Mededeelingen. VII. p. 11.

1888 Maiden, Acacia salicina, Proceed. Linnean Soc. New South Wales. III. p. 359.

1891 Ottoin, Phyllanthus. Ned. Tijdsclir. voor Pharm, p. 128.

1848 Schomburgh, Clibadium Barboseo. Reise in British Guyana. II. p. 434.

1893 Watt, Baiamtes Roxburgii. Dictionary op. cit. v. 1. p. 363.

1893 Derselbe, Ongenia dalbergoides. Dictionary. V. p. 657.

IV.

Zu Mord und Selbstmord gebrauchte pflauzliclie Gifte.

Zu Mord oder Selbstmord werden selbstverständlich Giftpflanzen von energi­scher und sicherer Wirkung verwandt. Einzelne Pflanzenspezies werden bei den verschiedenen Völkern nicht nur wegen der geographischen Verbreitung, sondern aus Gewohnheit, Überlieferung oder zwecks leichterer Verschleierung der Tat be­vorzugt.

In Brasilien vergifteten die Negersklaven ihre Herren vielfach durch Speisen oder Getränke, welche mit Paitllinia pinnnta L. (Supindncaej, dort unter dem Namen Timbo bekannt, versetzt waren. Die Pflanze enthält ein Alkaloid, Timboin und findet auch als Fischgift Verwendung.

Dem gleichen doppelten Zwecke dienen die Niißchen einer Apocynee, Thevetia Ahovai A. D C., welche Tbevclosin enthält und Erbrechen und Atmungsbeschwerden hervorruft, letztere von der Lähmung der Atmungsmuskulatur herrührend.

In Holländisch Indien wird der Saft der Wurzel einer Leguminose, Milletia scricen W. u. A., zum Giftmorde benutzt, welche unter den Erscheinungen von allgemeiner Schwäche, Kopfschmerz, Durchfall, Tenesmus und Kollaps den Tod herbeiführt.

Auf den Inseln des Stillen Ozeans, in Polynesien werden ähnliche Ver­brechen mit Hilfe der Nüsse von Harringtonia specivsa L. (Onagrariaceae) verübt. Früher bediente man sich auf einigen Inseln z. B. Rarotonga auch einer Apocynee, Cerbera lacturiu Hamilt. Eine andere Apocynee, Neri tun odorum Soland. enthält Neriodorin und Nrriodorein, zwei Glycoside von starker Giftwirkung auf das Herz. Selbstmordversuche mit der Rinde und dem Safte dieser Pflanze kommen in Indien, besonders in den Präsidentschaften von Bombay und Madras häufig vor; allein in