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P. C. J. VAN BrERO.
Ziehung stehend oder nicht, werden bei Latah vermilft. Da, wo sie ohne scheinbare Veranlassung zum Vorschein kommen, ergibt sich bei näherer Betrachtung, daß die Leidende sich über ein verkehrtes Wort geärgert hat, daß also zuletzt eine psychische Erregung die Ursache war.
Andere unwillkürliche Bewegungen, wie Gesichter schneiden, werden bei Latah nur bei Gemütsaffekten angetroffen.
Psychische Abnormitäten oder andere Störungen des Nervensystems scheinen bei der ilaladie des tics öfter vorzukommen, auch Ticsymptome sowohl der grand wie der petit tic. Ebenso ist der Lauf der Krankheit bis zum Ausbruch der Entladungserscheinungen wesentlich von Latah verschieden, welche letztere nur eine Episode, aber keine durchlaufende Krankheit ist. Auch scheint die Tickrankheit vorzugsweise bei Jlännern vorzukommen. Zum Schlüsse sei erwähnt, daß die Maladie des tics ebenfalls zur Hysterie gerechnet wird.
Die spröden Bewegungen, welchen man bei Frauen begegnet, haben mit Latah etwas gemein.
„Un autre eft'ect de cette disposition automatique s’observe dans la minauderie. On „croit que les phenomenes que la constituent sont voulus et etudiös; c’est lä une erreur. „On est minaudier, maniere, par suite d’une facilite exageree qu’ont les Organes nerveux „automatiques ä suivre d’eux memes tout ce qui se passe dans la pensee. Selon les „moindres sentiments eprouves, la voix prend alors des inttexions les plus varies, les „muscles de la figure produisent les grimaces les plus mobiles, les membres et le tronc „ondulent de mille fa(;ons. Cette disposition, qui prete ä la moquerie, s’observe surtout „ehez la femme.“ (P. Despine.)
Schedbe berichtet über eine in Japan vorkommende, wie Latah auf Suggestion beruhenden Neurose, wobei die Kranken von Tieren besessen zu sein glauben.
Therapie. Eine bestimmte Therapie ist nicht bekannt, auch nicht beim Inländer. Durch Selbstbeherrschung scheinen einzelne den Zustand wesentlich bessern zu können. Es ist nicht unmöglich, daß die hypnotische Suggestion gutes leisten kann.
Rhiuitis spastica vasomotoria.
(Rhinitis nervosa, Coryza spasinodica, Rosen- oder Eisenbahnschnupfen, Hooikoorts, Hydrorrhee nasale.)
Definition. Die Rhinitis spastica vasomotorica ist eine paroxysmatisch auftretende akute Rhinitis, wobei die charakteristischen Symptome Niesanfälle sind, begleitet oder gefolgt durch reichliches wässeriges Nasensekret und Verstopfung des Nasenraumes infolge Schwellung der Conchaeschleimhaut. An diese Hauptsymptome fügen sich noch andere Erscheinungen, welche aber kein pathognomisches Gepräge tragen. Die Beschreibung dieser Krankheit verdanke ich größtenteils einer Studie des Herrn Dr. Zegeks, Nasen- und Ohrenarzt zu Batavia.
Geographische Verbreitung. Die Krankheit kommt nicht ausschließlich innerhalb der Wendekreise vor; in N i e d e r 1 ä n d i s ch -1 n d i e n ist sie sehr verbereitet, ob sie aber auch in anderen Tropengegenden angetroften wird, ist mir unbekannt.
Symptomatologie. Die Anfälle treten gewöhnlich beim Erwachen auf, dauern r 4—2 Stunden, bisweilen den ganzen Tag, während welcher Zeit 10—70 mal geniest wird und die Sekretion dabei so heftig sein kann, daß das Sekret strahlweise aus der Nase fließt.
Die genannten Symptome sind begleitet von Tränenfluß mit Injektion der Conjunctiva und Verdickung der Augenlider, von Kopfschmerzen und Atembeklemmung mit mehr oder weniger deutlichen asthmatischen Erscheinungen.
Pathologische Anatomie. Häufig fehlt jede nasale Abweichung, während die Rhinoscopia anterior bei inveterierten Fällen ein maceriertes Aussehen der