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Prof. Dr. A. Looss.
Die Entwicklung der Nematoden ist durchgängig wesentlich einfacher als die der Plattwürmer. Im einfachsten Falle verharren die aus dem Körper des Trägers entleerten Eier im Freien, bis sie von einem neuen Träger mit Nahrung oder Trinkwasser aufgenommen werden; der in der Zwischenzeit zur vollen Ausbildung gekommene Embryo verläßt die Eischale und entwickelt sich im neuen Träger direkt zu einem neuen Wurm (Ascaris, Trichocephalus, Oxyuris). In anderen Fällen schlüpfen die Embryonen selbständig aus den Eischalen hervor und leben als Larven eine Zeitlang im Freien, wobei sie Nahrung aufnehmen und wachsen. Am Ende dieses Stadiums (als „reife Larven“) müssen sie dann in den definitiven Träger zurückgelangen ( Ancylostomum ). In noch anderen Fällen endlich bedienen sich die jungen Larven eines Zwischenwirtes, in den sie aktiv ( Dracunculus ) oder passiv ( Filaria ) gelangen und der sie, nachdem sie in seinem Innern das Stadium der „reifen Larve“ erreicht, wieder an den definitiven Wirt abliefert. In allen diesen Fällen führt jedes Ei zur Entstehung höchstens eines ausgebildeten Wurmes; nur bei einigen wenigen Arten findet eine Vermehrung der Keime außerhalb des definitiven Trägers statt ( Strongyloides ). Hier wachsen die aus den Eiern ausschlüpfenden Larven im Freien zu getrennt geschlechtigen Männchen und Weibchen heran, deren Nachkommen erst wieder zu Parasiten werden (Heterogonie).
Einige Angehörige dieser Wurmklasse bringen durch ihren Parasitismus beim Menschen distinkte Krankheitsformen hervor.
Ankylostomiasis.
Ankylostomasie, Ancliilostomoanemia, Uncinariasis, Dochmiose.
Egyptische oder tropische Chlorose, Bergarbeiter-, Ziegelbrenneranämie, Bergkachexie, Tunnelkrankheit; Anemie des mineurs, anemie des pays chauds, Cachexie aipieuse, africaitie, Mal d’estomac, Mal de coeur; Geophagia, Allotriophagia, Dirt-eating, Negroe-consumption, Malarial anemia, Hook-worm-disease; Oppilaeäo, Cancacäo, Amarelläo, Pica, etc.
Eine hauptsächlich in der Form einer progressiven Anämie verlaufende, mit Störungen von seiten des Verdauungs- und Nervensystems verbundene Krankheit, die durch den Parasitismus des „Ankylostoma“, Ancylostomum duodenale Dubtn'i, hervorgerufen wird.
Scheüthaueh und Joachim beziehen eine in dem berühmten Papyrus Ebers (ca. 3550 v. Ohr.) erwähnte, AAA oder [JHA genannte, durch einen Wurm HELTU verursachte Krankheit auf Ankylostomiasis, die demnach bereits den alten Egyptern bekannt gewesen wäre. Die Angabe ist als Tatsache in viele neuere Abhandlungen über Ankylostomiasis übergegangen, findet neuerdings aber entschiedenen Widerspruch bei von Oefele, nach dem das Wort AAA im Originaltext des Papyrus als „ungefähr so viel wie Ekzem“ zu lesen ist. Die Ansicht von Oefele’s kann nur unterstützt werden, da es vom praktisch-parasitologischen Standpunkt aus ganz unwahrscheinlich ist, daß die alten Egypter die Krankheit als selbständig und den Wurm als ihre Ursache bereits erkannt haben sollten.
Die Ankylostomiasis ist gegenwärtig aus so gut wie sämtlichen tropischen und subtropischen Ländern des Erdballs bekannt. In Europa erregte sie, angesichts ihrer anscheinenden Bescliränkung auf wärmere Klimate, bis noch vor wenig mehr als zwei Jahrzehnten kaum aktuelles Interesse; das hat sich geändert, seit sie nördlich der Alpen einen augenscheinlich festen Fuß in einer größeren Anzahl von Bergwerken (in Frankreich, Österreich-Ungarn, Deutschland. Belgien und neuerdings auch England) gefaßt hat; nach Angaben von Iberer sen. und jun. ist der Wurm in der Don au-Theißniederung, sowie in Serbien und Bulgarien sogar über Tag heimisch. Die Verseuchung der