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Bd. 1 (1905)
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Dr. Albert Plehn.

Ein aus der Grenze des Erkrankten exzidiertes größeres Gewebstiick. das Herr Prof. 0. Israel zu untersuchen die Freundlichkeit hatte, zeigt nur die Ver­änderungen chronischer Entzündung; Mvcetoma und Lepra konnten jedenfalls ausgeschlossen werden. Ebensowenig ist die Krankheit mit Pseudo- ]epra (s. diese) oder Phagedänismus identisch; ihre Natur ist vielmehr voll­kommen dunkel. Die Eingeborenen führen sie auf einen bestimmten Fetisch zurück, der an den Weg gelegt wird und den Passanten durch Zauber krank macht; das spricht jedenfalls für ihre spezifische Natur.

Mit hochgradiger Verdickung der ge s a m t e n E p i d e r ni i s ist ein Leiden verbunden, das ich nur einmal in vorgerücktem Stadium sah. Der Kranke war aufs äußerste abgemagert; die Haut blaßschiefergrau, trocken, schuppend, verdickt, stellenweise fast bretthart. In den natürlichen Körperfalten, besonders den Räudern der Achselhöhlen, den Inguinalbeugen, den Mundwinkeln, griffen ausgedehnte Rhagaden bis tief ins Corimn und sonderten reichlich Eiter ab. Auch die Zungen­oberfläche und die Mundschleimhaut war von solchen Rissen durchzogen; Nahrungs­aufnahme war unmöglich. Die Hornhaut beider Augen war milchig getrübt und mit Geschwüren besetzt. Beiderseits entwickelte sich Ilypopion. Etwa 2 Wochen nach Aufnahme ins Krankenhaus endete der Tod die Qualen.

Die Obduktion ergab beträchtliche Verdickung der Haut. Die spätere Unter­suchung gefärbter Schnittpräparate zeigte, daß die Verdickung ausschließlich auf einer Wucherung der Epidermis beruhte, während die Papillen der Cutis abge­flacht und teilweise vollkommen geschwunden waren, wie an der Basis eines Clavus (Prof. Benda). Der Ichthyosis scheint das Leiden also trotz mancher äußeren Ähnlichkeiten, ebensowenig verwandt zu sein, wie den schweren Liehenformen.

Außer den Hautveränderungen fand sich eine Verkleinerung des Magens bis auf kaum Faustgroße. Diese dürfte aber als eine sekundäre aufzufassen sein, denn der Kranke ist tatsächlich langsam Hungers gestorben, weil die Veränderungen an Zunge und Schlund eine Nalirungsaufnahme unmöglich machten.

In den heißen Ländern stehen Erkrankungen der Haut bei Syphilis durchaus im Vordergründe; Syphilis der Eingeweide und des Nervensystems kommen da­gegen wenigstens unter den afrikanischen Negern, den Arabern und Kabylen etc. kaum vor, und scheint unter den weit höher kultivierten Malayen Ostasiens eben­falls recht selten zu sein. Um so schwerer sind die Hauterkrankungen, besonders des Tertiärstadium, und sie können im Verein mit den ebenfalls schweren Knochen­affektionen zu ausgedehnten Verstümmlungen in Gegenden führen, wo die spezifischen Heilmittel noch keinen Eingang gefunden haben.

Durchaus verfehlt wäre es aber, aus dem Freibleiben des Nervensystems und der Eingeweide unter solchen Umständen, darauf schließen zu wollen, daß ihr Er­griffenwerden beim Kulturmenschen eine Folge der Quecksilberbehaiullung sei, wie man das noch immer wieder zu hören bekommt: Eine energische antisyphi­litische Kur befreit den eingeborenen Tropenbewohner von seinen spezifischen Hautleiden, ohne daß er deshalb später an Eingeweidesyphilis er­krankt; die Wirkung der Spezittzis pflegt bei ihm sogar eine besonders energische und nachhaltige zu sein.

Was die Form der sekundären Hauteruptionen anlangt, so steht wenigstens beim westafrikanischen Neger eine allgemeineKondylomatose im Vorder­gründe der Erscheinungen. Die Kondylome beschränken sich nicht auf den Anal- uml Genitalbereich, sondern sie entwickeln sich auf dem ganzen Körper, einscliließ-

Die Syphilis.