Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
71
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Die tropischen Hautkrankheiten.

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Schwellungen oder sonstige Symptome etwa vorhandener Syphilis wurden in den 11 von Guiteras studierten Fällen vermißt.

Der Verlauf erstreckt sich über viele Jahre, ohne daß der allgemeine Ernäh­rungszustand wesentlich zu leiden braucht; schließlich scheint Heilung die Regel zu sein, doch sind die bleibenden Verstümmelungen (Pseudarthrosen und Ankylosen) oft erheblich. In einigen Fällen erforderte plötzlich eintretende Gangrän die Ampu­tation ganzer Gliedmaßen.

Die Hautnarben sind teils glatt, teils schwielig. In der Nähe der Ränder geben iuselförmige Pigmentanhäufungen ihnen ein fleckiges Aussehen.

In Cuba wurde das Übel bisher nur bei Weißen beobachtet, während Read es im Lagos gebiet ausschließlich bei Negern sah. Vielleicht fehlte hier den spärlichen Europäern nur die Gelegenheit, sich zu injizieren. In dem betroffenen Distrikt auf Cuba überwiegt die weiße Bevölkerung die farbige ungefähr um das Sechsfache, so daß damit das verschiedene Verhalten beider Rassen erklärt werden könnte.

Literatur.

Read. The journ. of tropic. Medic. 1901. 15. Octob.

Guiteras, Juan, Dr., Cliappa, acropatia mutilante etc. Habana 1904.

Guudii.

Eine in ihrem Wesen noch völlig dunkle Erkrankung ist das ,.Gundu oder Anakhre; beides in der Sprache der Agnineger in Westafrikagroße Nase bedeutend (Scheuhe). Die gleiche Affektion wird an der Goldküste Henpuye, Hundsnase, genannt.

Meist schon im jugendlichen Alter in der Kindheit oder gegen Ende der­selben treten zu beiden Seiten des knöchernen Nasenrückens, am Übergang des nasalen Fortsatzes des Oberkiefers ins Nasenbein, harte Knochenleisten hervor, welche entsprechend dem nasalen Fortsatz des Oberkiefers unterhalb der Orbita nach abwärts - auswärts verlaufen. Das Nasenbein selbst soll meistens frei bleiben, selten in geringer Ausdehnung ergriffen sein. (Vgl. Taf. VII; Fig. 14.) Die Größenzunahme der Geschwulst ist durchaus unabhängig vom Körperwachstum und überdauert es in unbegrenztem Maße. Die Geschwulst kann Faust-, und selbst Straußeneigröße erreichen und dann die Funktion der voneinander gedrängten Bulbi hindern, ja diese selbst durch Druck zerstören (Maclaxd). Namentlich im Beginn des Leidens treten heftige Schmerzen, besonders während der Wachstumsperioden in der Geschwulst selbst, in der Stirn, im ganzen Kopf auf, und es werden zeit­weise durch Nase und Mund blutig-schleimige, oder eiterige Massen entleert; die Nasenschleimhaut erscheint hy perämisch, polypös gewuchert, entzündet (Friedriuiwen). Während Gaumen und Rachenorgane für gewöhnlich keinerlei Veränderung zeigen, bricht die Geschwulst in anderen Fällen nach Art einer bösartigen Neubildung zur Nasenhöhle durch. Selten treten die Wucherungen einseitig auf. Bei Druck und beim Beklopfen sind sie meistens empfindlich und selbst schmerzhaft. Die Haut über den auf der Außenfläche stets glatt erscheinenden Knochenauftreibungen ist niemals krankhaft verändert und bleibt über dem Periost leicht verschieblich.

Der Verlauf ist äußerst chronisch und erstreckt sich mit längeren Zeit­perioden völligen Stillstandes über Jahrzehnte.

Die pathologische Anatomie ist noch nicht genauer studiert worden. Aus den spärlichen, vielfach sich widersprechenden Mitteilungen, scheint nur her­vorzugehen, daß es sich um eine hypertrophierende, ossifizierende, chronische Periostitis handelt. Zeitweilig treten die Entzündungsersclieinungen allerdings