Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

Die tropischen Hautkrankheiten.

49

Die Heilung gelingt mit den bekannten epiphyticiden Mitteln, doch bleibt völliger Pigmentschwund zurück.

L i t e r a t u r.

Jeanselme,Cours de dermatologie exotique. 1904.

Nieuvvenhuis, Areh. f. Dermat. u. Syph. 1898. XLVI.

Hautsiffektioneu als Ausdruck individueller Idiosynkrasie.

Unter dem gemeinsamen Gesichtspunkt derpersönlichen Disposition möchte ich einige nach ihrer letzten Ursache grundverschiedene Hautleiden betrachten, weil für ihr Auftreten eine Idiosynkrasie maßgebend ist.

Dahin gehören die Erytheme und Urticarien, welche der Geruch b e s t i m m t e r T r o p e n p f 1 a n z e n bei einzelnen Individuen ebenso hervorruft, wie be­kanntlich der Duft der Chrysanthemen zuweilen in Nordeuropa. Man hat sie als eine Giftwirkung aufzufassen, die durch das Zentralnervensystem ver­mittelt wird. Genuß mancher Speisen, besonders gewisser Früchte und Fischarten, soll bei einigen Personen ebenso wirken, wie es von Krebsen und Erdbeeren in Deutschland bekannt ist, und wie es bestimmte Medikamente (z. B. Antipyrin) unter Umständen tun. Zuverlässige präzise Einzelbeobachtungen habe ich allerdings nicht mitgeteilt gefunden.

Praktisch weit wichtiger sind die bei Malaria und bei Chiningenuß beobachteten Hautaffektionen, die hierher gehören, weil sie mit dem klinischen Krankheitsbilde der Malaria nichts zu schaffen haben, und weil sie nur bei be­stimmten Individuen den Chiningebrauch begleiten. Im allgemeinen sind diese Exantheme sehr selten.

Bei Malariafieber handelt es sich um mehr oder weniger typische, leicht juckende Urticaria während der Fiebertage, oder um diffuse, scarlatinöse Ery­theme, welche größere Körperpartien überziehen und andere freilassen. Von letzteren kamen auf mehrere tausend Malariafieber zwei Fälle eigener Beobachtung; weitere Angaben habe ich in der Literatur nicht gefunden. Uber urticariaähnliche Eruptionen während des Fieberanfalls wird auch von anderer Seite berichtet. Ich selbst sah 4 Fälle derart.

Urticaria kommt aber nicht nur beim akuten Malariafieber als flüchtige Er­scheinung vor, sondern auch als chronisches Leiden während der langen, fieberfreien Intervalle. Diese Urticaria ist zuweilen recht hartnäckig und durch das lebhafte Jucken lästig. Chinintherapie erweist sich nicht immer wirksam, und die Diagnose läßt sich meistens nur durch Ausscliluß anderer Ursachen stellen.

Die petechialen und gangränösen Hautaffektionen, welche eng­lische Autoren bei schweren Malariaformen besclirieben haben, dürften als Ausdruck tiefgreifender Konstitutionszerrüttung durch zahlreich voraufgegangene Malaria- rec : dive zu betrachten sein; ebenso ihreMalarial ulcers, sofern es sich hier nicht umtropischen Phagedänistnus (Hospitalbrand) handelt, oder die alsDermatitis ulcerosa tropica beschriebenen spezif. Beingeschwüre.

Eine leichtere Störung stellen circumskripte Ödeme größerer Ausdehnung dar, welche mindestens das subkutane Gewebe noch mit betreffen und als vasomo­torische Neurosen zu deuten sind. Sie treten bei einzelnen alten Malarialeidern zeitweilig an den verschiedensten Körperstellen hervor und verschwinden rasch wieder, um an anderen Orten aufs neue zu erscheinen. Diese Ödeme charakterisieren sich als flache, meist runde oder ovale, unscharf begrenzte teigige Anschwellungen von

Mense, Handbuch der Tropenkrankheiten. I. 4