Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
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Dr. Albeet Pi.ehn.

definitives Urteil über die Artangehörigkeit der letzteren aber vorläufig noch zurückhalten.

Es gehören hierher:

Der gemeine Ringwurm,

oder: Borkenringwurm (Krämer), Tropical Ringworm, Herpes circi- natus, Herpes tonsurans, Tinea circinata, Ekzema marginatum, Dliobie itch (Wascherkrätze, Ostindien) Koerab, (Borneo) usw. meist Namen, welche dem Übel insofern zu Unrecht beigelegt wurden, als sie auch Affektionen der gemäßigten Zone bezeichnen, welche vomtropischen Ringwurm sich unter­scheiden.

Das Leiden ist über den ganzen Tropengürtel verbreitet. Die Bedingungen für seine Entwicklung sind an den flachen, heißen Meeresküsten und in den Fluß­niederungen günstig, wo die Verdunstung des Schweißes infolge des hohen Wasser­gehaltes der Luft behindert ist, so daß die ständig durchfeuchtete Epidermis namentlich in den andauernder Reibung ausgesetzten Hautfalten gelockert und maceriert, und zum Nährboden für die Pilze geeignet wird.

Diese bestehen beimRingwurm aus einem schlanken, langgliedrigen, diclio- tomisch verzweigten Mycel mit spärlichen Sporenketten, welche durch Zerschnü- rung des Mycelschaftes gebildet werden. Der Mycelschaft enthält feine, bräunlich­gelbe Pigmentkörnchen.

Die Pilze entwickeln sich zunächst in der Hornschicht der Epidermis und dringen von dort erst später bis in die tieferen Zellagen des Rete Malpighi vor. Sie finden sich sehr spärlich in dem ergriffenen Gewebe, und dessen krankhafte Veränderungen erhalten ihr charakteristisches Aussehen deshalb nicht durch die Pilze selbst, (wie z. B. bei Pityriasis versicolor und Tinea imbricata) sondern durch die entzündliche Reaktion, welche die Pilze hervorrufeu.

An der Stelle der Infektion bildet sich zunächst ein Gruppe getrennter, hirse­korngroßer, roter, juckender Knötchen mit schmalem, leicht entzündlich gerötetem Hof. Die Knötchen verwandeln sich in flache Papeln und wachsen oberflächlich so daß in wenigen Tagen etwas erhabene Flecken von Fünf- bis Zehnpfennigstück­größe entstehen. Bei weiterem Wachstum konfluieren diese Flecken, und das er­griffene Gebiet erhält dadurch nach außen konvexe, bogenförmige Grenzen. Die Ränder erheben sich ein wenig über die Hautpartie, welche sie einschließen. Oft läßt sich eine geringe feinste Schuppung im Bereich der Affektion beobachten. Bei der in Ostasien von Manson beschriebenen Form des Ringwurms tritt nun im Zentrum des erkrankten Hautgebiets Heilung ein; nur eine unbedeutende Abnahme der natürlichen Pigmentierung und eben erkennbare feinste Schuppung bleibt manchmal zurück, während der Prozeß nach der Peripherie sich aus­dehnt, ohne daß neue Wachstumszentren innerhalb seiner Grenzen entstehen, [weil der Nährboden hiergleichsam abgegrast ist (Manson)]. Die Haarbälge und die Schweißdrüsen werden nicht zerstört; die Haupthaare brechen jedoch infolge Hineinwachsens der Pilze dicht über der Hautoberfläche ab.

Das Leiden nimmt mit Vorliebe von der Skrotalhaut oder der Skrotalsehenkel- falte seinen Ausgang und schreitet auf der Innenseite der Oberschenkel und in der Umgebung der Inguinalbeuge fort. Auch der Damm und die Rima ani werden bald ergriffen (besonders bei Reitern). Seltener beginnt die Affektion in der Achselbeuge, oder befällt die Stellen, welche dem reibenden Druck des Gürtels oder der Hosenträger ausgesetzt sind. Daß die Scham- oder Achselhaare zer­stört wurden, habe ich in Westafrika niemals beobachtet. Selbst bei einer Haut-