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Die Behandlung der einheimischen Bevölkerung in den kolonialen Besitzungen Deutschlands und Englands : eine Erwiderung auf das englische Blaubuch vom August 1918: Report on the natives of South-West-Africa and their treatment by Germany / Reichskolonialamt
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Wer will den Vorwurf dieses indischen Journalisten entkräften? kr könnte ihn noch schärfer gefaßt haben. Japan, das jetzt selbst sein Geschick bestimmt und Selbstbeschützer seines Volkes ist, ist innerhalb von 50 Jahren aus völliger Unwissenheit zu einem Zustande vorgeschritten, wo 90 v. H. seiner Einwohner lesen und schreiben können, und wird jetzt eines Bündnisses mit England für würdig gehalten. In Indien dagegen, das zu politischer Knecht­schaft verdammt ist und für den geschäftlichen Vorteil einer anderen Kation geopfert wird, können heute noch weniger als 1 v. 11. der Frauen lesen und schreiben, und weniger als 10 v. H. der Gesamtbevölkerung sind genügend fortgeschritten, um mittels des geschriebenen Wortes miteinander zu ver : kehren oder aus gedruckten Büchern Kenntnis zu erwerben.

Aus: Die'englische Herrschaft in Indien von W. J. Bryau.

Die Versklavung Indiens,

erwiesen an der Unterdrückung des Volksschulwesens.

Gokhale stellt fest, daß von je fünf Dörfern vier kein Schulhaus haben, und dies in einem Lande, wo das Volk erdrückt wird von der Last der Steuern. Die-Veröffentlichung des Staatshaushaltes für 1904/05 zeigt, daß die Regierung nur 6 500 000 Dollars (26 Millionen Mark) für Schulen bereitgestellt hat gegen­über 90 000 000 Dollars (360 Millionen Mark) fürmilitärische Dienst­leistungen. Das Budget für das nächste Jahr zeigt eine Erhöhung von wenig mehr als 500 000 Dollars (2 000 000 dt) unter dem TitelSchulen, gegen­über einer Erhöhung von mehr als 12 000 000 Dollars (48 Millionen Mark) unterHeereswesen. Die Regieruug hat allerdings eine Anzahl höherer Schulen gegründet (aus Steuermitteln) und dehnt auch allmählich das System der unteren und mittleren Schulen weiter aus (ebenfalls aus Steuermitteln), aber der Fortschritt ist außerordentlich langsam und die Anhahl der Schulen unzulänglich. Wohltätige Engländer haben sich auch wohl um die Sache der Bildung verdient gemacht durch die Eröffnung mittlerer und höherer Privat­schulen unter kirchlicher und anderer Aufsicht, aber die Indien auf diese Weise zugute kommenden Summen sind nichts im Vergleich zu den Beträgen, die aus Indien herausgezogen werden. Nicht Geldmangel verzögert die Verbreitung von Schulbildung in Indien, sondern die bewußte Mißanwendung der einge- zogenen Steuern. Und ein System, welches diese Nichtachtung des Wohles der Untertanen und die Unterordnung ihrer Industrien unter die Förderung der Handelsinteressen einer anderen Nation zuläßt, ist ebensowenig mit politischen und wirtschaftlichen Gründen zu verteidigen wie mit moralischen .

AusDie englische Herrschaft in Indien von W. J. Bryan.

Es ist unsagbar erbärmlich von uns gehandelt, diese Last (Heereskosten) auf die Schultern der Inder zu werfen einfach deshalb, weil sie alles ihnen von uns Auferlegte tragen müssen. °/io der Heereskosten in Indien sind Kosten, die das Reich angelien. Kanada, Südafrika und Australien sollen ebensoviel dazu beitragen wie Indien. Es ist bitterster Zynismus, daß die Pforten unserer Kolonien diesen Ärmsten fest verschlossen sind, die einen so außerordentlich großen Teil zu den, Kosten des Reichshaushaltes; aufbringen, und durch deren

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