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Die Behandlung der einheimischen Bevölkerung in den kolonialen Besitzungen Deutschlands und Englands : eine Erwiderung auf das englische Blaubuch vom August 1918: Report on the natives of South-West-Africa and their treatment by Germany / Reichskolonialamt
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Während meines Kommandos als stellvertretender Adjutant der Bahn- hofskommandantur Opladen hatte ich am 8. und 9. Oktober Gelegenheit, mich mit englischen und französischen Gefangenen zu unterhalten, die Anfang dieses Monats in den Kämpfen bei Loos in deutsche Hände gefallen waren. Durch längeren Aufenthalt in England der englischen Sprache mächtig, unterhielt ich mich mit den englischen Offizieren der Kitchener-Armee über die letzten Kämpfe in Flandern und Nordfrankreich. Hierbei machte mir ein englischer Oberleutnant von einem Londoner Regiment folgende für die Verwendung und Wertschätzung der farbigen Hilfsvölker in der englischen Armee recht be­zeichnende Mitteilungen: Bei den Kämpfen um Loos haben die Engländer nach heftigem Artilleriefeuer und nach Verwendung von giftigen Gasen in der Vor­aussetzung, daß die deutschen Stellungen sturmreif seien, zuerst die indischen Truppen zum Angriff vorausgeschickt. Als diese Truppen jedoch bei ihrem Vorgehen heftiges Feuer erhielten und schwere Verluste erlitten, wurden, un­geachtet der überaus zahlreichen Verwundeten und der wenigen unverletzt geblieb eiten Leute, weitere giftige Gaswolken vorgetrieben, so daß die Ver­wundeten usw. elend umkamen. Dann erst wurden die englischen Soldaten zum Angriff eingesetzt. Auf meine Frage, ob eine derartige rücksichtslose Behandlung der eigenen Truppen nicht verwerflich sei, meinte der englische Oberleutnant spöttisch: »Oh, es sind ja nur Inder!« 11

Nach derB. Z. am Mittag 15. November 1915.

Die Versklavung des indischen Volkes, erwiesen an der Knebelung der Presse und der bürgerlichen Freiheit.

Ein weiterer Punkt des Streites zwischen der Bureaukratie und dem Volke betrifft die Pressefreiheit. Die Presse ist eine Einrichtung des Westens, die so fest mit der Erziehung des Westens verknüpft und mit den Verwaltungs­methoden des Westens verbunden ist, daß es unmöglich ist, das eine zu behalten und das andere abzutun. In jedem zivilisierten Lande hat sie eine doppelte Rolle gespielt als Erzieher des Publikums und als Dolmetscher der Regierung, ln Indien hat sie trotz ihrer Fehler viel für die Entwicklung des nationalen Lebens getan, und ihre bunte Geschichte ist kein schlechter Beweis für den Einfluß, den sie auf die öffentliche Meinung und die Energie eines wachsenden Volkes ausgeübt hat. Es ist nicht notwendig, jene Geschichte zu verfolgen. Mit etwas wohlwollenderer Behandlung hätte die Presse leicht in eine nützliche Helferin der Regierung verwandelt werden können. Unglücklicherweise wurde die anglo-indische Presse neidisch auf diesen Rivalen, und die Bureaukratie wurde wegen ihrer Stärke nervös. Man ergriff daher jede Gelegenheit, um ihr in einer Weise den Maulkorb anzulegen, wie es in der Geschichte irgendeines zivilisierten Landes ohne Beispiel dasteht. Das Preßgesetz von 1910 hat die indische Presse von ihrer Stellung als einem unabhängigen Kritiker der Re­gierung zu einer gerade noch geduldeten Institution herabgedrückt. Innerhalb der kurzen Periode von weniger denn 7 Jahren hat ein regelrechter Karneval von Preßverfolgungen stattgefunden; Zeitungen sind unterdrückt und Drucke­reien konfisziert worden in einem Maße, das die Öffentlichkeit bestürzt gemacht