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Die Behandlung der einheimischen Bevölkerung in den kolonialen Besitzungen Deutschlands und Englands : eine Erwiderung auf das englische Blaubuch vom August 1918: Report on the natives of South-West-Africa and their treatment by Germany / Reichskolonialamt
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Als wir Indien verließen, gaben unsere Offiziere uns das Ehrenwort, daß wir im Falle der Verwundung heimgesandt werden würden. Statt dessen schicken sie uns, kaum geheilt, von neuem in die Schlacht. Werden wir dauernd be­schädigt und dienstuntauglich, schickt man uns nach Marseille oder sonst wo­hin, um uns bei irgendeiner dummen Arbeit schuften zu lassen. Um uns davon abzuhalten, den Dienst aufzugeben, hält die Regierung unseren Sold zurück. Das letztemal wurden wir ausgezahlt, als wir Indien verließen. Seither haben wir nicht einen Cent mehr erhalten. Wir sind arm und setzen unser Leben für Geld aufs Spiel. Wären wir reich, wie Sie, würden wir unser Selbst, Leib und Seele, nicht für 11 Rupien verkaufen.

Das ist die Lieblingstruppe Kitcheners.

Nach demFester Lloyd 24. Dezember 1916.

Sklavenjagden auf indische Arbeitssoldaten.

Vor einer Woche sandte M. Candler von der englischen Mesopotamien- ärmee eine idyllische Schilderung, wie der glückliche und zufriedene Santal- arbeiter in Mesopotamien fröhlich, friedlich und freudig arbeite, kurzum ein Leben ungetrübter Glückseligkeit lebe. Der Aufsatz beschrieb den indischen Arbeitssoldaten als einen idealen Menschen. Hingegen lesen wir in'den eben an­gekommenen ßw^Zo-indischen Zeitungen folgendes: Vor kurzem begaben sich mehrere englische Rekrutierungsoffiziere von Calcutta nach dem Mohurbhani- staat, in der Absicht, Santalkulis für die Arbeitsarmee zu rekrutieren. Die Santals waren dieser Idee aber abgeneigt und wurden sehr widerspenstig. Ungefähr 500 von ihnen versammelten sich in Rupsa an der Bengal-Nagpur- Eisenbahn (130 Meilen von Calcutta und 12 von Balasore) und jagten den englischen Rekrutierungsagenten weg, indem sie von ihren Bogen und Pfeilen Gebrauch machten. Daraufhin marschierte der Bezirksmagistrat von Balasore mit einer Mannschaft bewaffneter Polizeibeamter nach der Stelle des Aufruhrs. Auch diesen gelang es nicht, das indische Pack (the mob) einzuschüchtern, das noch immer mit seinen Bogen schoß. Am Abend desselben Tages wurde ein Sonderzug der Mohurbhani-Staatseisenbahn, der Bargeld gebracht hätte, von den Santals angegriffen, die nunmehr auf 1 000 angewachsen waren. Zuvor hatten sie die Schienen aufgerissen. Sie schossen wieder mit Bogen und Pfeilen. Die Passagiere und Bahnbeamten mußten sich ihnen ergeben. Nachdem sie das Geld aus dem Zug weggenommen hatten, zogen die Santals vor den Palast in Mohurbhani, den sie nach einem Kampf mit den Palastwächtern plünderten. Zwei Tage darauf wurden die Vorgänge in Calcutta bekannt. 300 Mann aus Fort William und Freiwillige aus Kharagpur und Howrah wurden in einem Sonderzug an die Stätte der Unruhen gesandt. Schließlich wurde die Ruhe wieder hergestellt. Der Untersuchungsrichter fand, daß unter den Santals folgende zwei Beschwerden verbreitet waren: Zunächst, daß sie gezwungen würden, gegen ihren Willen und gegen den Wunsch ihres Maharadschas nach Frankreich zu gehen, und zweitens, daß man von ihnen eine Beisteuer zur