Druckschrift 
Die Behandlung der einheimischen Bevölkerung in den kolonialen Besitzungen Deutschlands und Englands : eine Erwiderung auf das englische Blaubuch vom August 1918: Report on the natives of South-West-Africa and their treatment by Germany / Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
166
Einzelbild herunterladen
 

166

lichten Tage werden in belebten Städten Mordtaten vollbracht und Räubereien geschehen, wie Vorstellungen im Kerzenlicht des Opernhauses. Die Antwort, auf dieses alles ist dann immer: das Volk ist eben feige und unfähig, sich selbst zu schützen. Aber wessen Fehler ist es, daß das Volk feige ist und sich nicht schützen kann? Ist es die Schuld des Volkes, das feige und hilflos gemacht worden ist, oder derjenigen, die es dazu gemacht haben? Es ist köstlich zu hören, wenn dem Volke angeraten wird, es solle sich mit Ziegel­steinen oder Bambusstöcken bewaffnen, um einer Räuberbande entgegen­zutreten, die mit Mausergewehren und Mauserrevolvern versehen ist. Man sagt, daß Beispiele wirksamer sind als Belehrungen, und jene, denen e3 ein Vergnügen ist, solche lächerlichen Ratschläge zu erteilen, würden gut daran tun, selber einmal ihre Ratschläge zu befolgen, ehe sie andere dazu zu über­reden suchen. Das Waffengesetz ist praktisch ein toter Buchstabe geworden, denn die wenigen Gesetzübertreter sind nie wegen Feuerwaffen in Verlegenheit, sondern die vielen, die dem Gesetz folgen, sind ihres Schutzes beraubt. Man sagt, daß ein großes Reich und ein kleiner Geist schlecht zueinander passen. Wo der Geist des Vertrauens in einer Verwaltung fehlt, da müssen die anderen Mittel und Wege schwach, sich widersprechend und letzten Endes in sich selber

hinfällig sein. Aus der Rede des Präsidenten Babu Ambiea Charan Muzumdar

auf der 31. Sitzung des indischen Nationalkongresses.

Die Versklavung Indiens, erwiesen an der Werbung, Organisation und Behandlung der eingeborenen Truppen.

In der New-Yorker sozialistischenNew^ Review vom 15. November veröffentlicht ein Angehöriger der radikalen Hindupartei, der sich unter dem Pseudonym Baghi verbirgt, Artikel überIndian Süllen (indische Verdrossen­heit). Er knüpfte an den Satz an, den J. Bryce 1913 in seinem BuchThe Roman and the British Empire in India im Hinblick auf die Möglichkeit einer wachsenden radikalen Bewegung in diesem Lande schrieb: »Zum Glück für England und Indien sind solche Fragen wie diese für den Augenblick rein theoretisch.« Heute, sagt Baghi, ist Indien verdrossen und unzufrieden wie nur je. Wohl schreiben die Zeitungen über die Loyalität aller Klassen. Sie führen dreierlei Beweise ins Feld: die tapfere Haltung der Hindusoldaten; die Geschenke der Maharadschas und Narwabs und die Ergebenheitsadressen der Vertreter der gebildeten Mittelklassen. Diese Tatsachen sind nicht zu bestreiten, aber sie bedürfen der Interpretation, der Betrachtung in ihren wirk­lichen Verhältnissen und in der richtigen Perspektive. Vor allem bedarf die Loyalität und die Kampfleidenschaft der Soldaten einer näheren Betrachtung. Die Gurkhas, Sikhs und Pathans sind im strengsten Sinne des Wortes Söldner. Sie werden in einem sehr frühen Alter rekrutiert und fortgesetzt gedrillt, bis sie zu vollkommenen Kampfmaschinen werden. Man kann sie mit den Kosaken vergleichen. Ihr Gewissen wohnt in ihren Messern. Aber der Geist der Zeit ist auch an diesen Verstoßenen nicht vorbeigegangen. Auch sie haben be­gonnen, für ihr Land zu fühlen- und die Ungleichheit des Systems zu sehen.