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„Es ist betrübend, englische Gentlemen, wie den ersten Minister und den Staatssekretär der Kolonien, gezwungen zu sehen, ein System zu verteidigen, das allen englischen Begriffen von Freiheit, Menschlichkeit, guter Verwaltung und sozialer Fürsorge widerspricht. Wir wollen hoffen, daß sie mit weiterer Erfahrung auch den Mut finden werden, zu gestehen, daß ihr Versuch ein Fehler war, und daß sie damit innehalten werden, bevor das Übel unheilbar geworden sein wird. Auf alle Fälle bin ich überzeugt, daß der Moment bald kommen wird, wo alle rechtlichen Männer und Frauen jedes Standes bei uns erklären werden, es sei hohe Zeit, daß dieses traurige und unglückliche Unternehmen aufhöre. Wir verabscheuen die Chinesen-Arbeiterverordnung, weil sie zum Sklaventum führt, weil sie den schönen Namen unseres Landes schändet, weil sie unserer Arbeiterbevölkerung schadet, die ohnehin schon zu zahlreich ist, und weil sie ganz und gar im Widerspruch steht mit dem Geist der Freiheit, der Menschenwürde und sozialen Unabhängigkeit, die bis jetzt unsere ganze Politik geleitet haben.“
Zahlreiche Anklagen dieser Art erhoben sich in England. Treffend sagt das englische Parlamentsmitglied Mac Namara am Schlüsse seiner 1905 veröffentlichten Schrift „Chinese Labour“:
„Jahrhunderte hindurch war der Union Jack die Zuflucht der Bedrängten und ein Hoffnungszeichen für die Verzweifelten. In dieser Zeit des Verfalls macht man aus ihm einen Mantel der Tyrannei, den Schutz der Unmenschlichkeit und den Schirm der Raub- und Habgier.“
Am 6. Dezember 1906 verbot die Transvaalregierung die weitere Chineseneinfuhr als den Interessen des Landes im höchsten Maße zuwiderlaufend. Anfang 1910 wurde der letzte chinesische Kuli aus Transvaal heimgeschafft.
4. Australien.
Eingeborenenmißhandlung in Westaustralien.
In der Sitzung des englischen Oberhauses vom 9. Mai 1905 kam die grausame Behandlung der Eingeborenen Westaustraliens zur Verhandlung. Den Anlaß dazu gab ein amtlicher Bericht des von der Regierung von Westaustralien 1904 mit einer Untersuchung der Eingeborenenverhältnisse beauftragten Kommissars W. E. Roth.
Der erste Redner, Erzbischof von Canterbury, faßte die wichtigsten Feststellungen des Untersuchungskommissars zusammen und sagte: „Diese Feststellungen stehen in den Annalen der Britischen Verwaltung in der ganzen Welt einzig da. Die 7ustände in Westaustralien tragen viele Merkmale der Sklaverei an sich. Man steht hier vor einem System der Eingeborenenbehandlung, das einem von dem unsrigen völlig verschiedenen Zeitalter anzugehören scheint.“
Lord Lansdowne sagte: „Ich habe mit einem Gefühl tiefer Entrüstung und auch mit einem Gefühl tiefer Scham diesen Bericht gelesen, weil wir immer geglaubt hatten, solche Mißbräuche seien im britischen Reiche seltener, als in