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Die Behandlung der einheimischen Bevölkerung in den kolonialen Besitzungen Deutschlands und Englands : eine Erwiderung auf das englische Blaubuch vom August 1918: Report on the natives of South-West-Africa and their treatment by Germany / Reichskolonialamt
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Tatsachen gerechtfertigten Worten ausgelassen.Vergangenes Jahr, sagte er,hat die Sterblichkeit annähernd 80 v. T. erreicht und in den letzten sechs Monaten ist sie auf fast 90 v. T. gestiegen. Das ist ungefähr das Zwanzig­fache der Sterblichkeit in den Bergwerken Englands. Woran liegt das? In keinem Teile der Welt, in keiner Industrie ist die Sterblichkeit so furchtbar. Es ist klar, daß am Witwatersrand Verhältnisse herrschen, die eine Schmach für Südafrika und England sind.

Wie schlimm diese Dinge sind, das erhellt aus den eigenen Worten des Staatssekretärs für die Kolonien.Ich erkenne vollkommen an, sagte er, daß die Sterblichkeit in den Bergwerken eine verhängnisvolle Sache ist.' Nur erklärte er, indem er sich auf gewisse Berechnungen stützte, daß die Sterblichkeit bloß 57 v. T. betrage.

Die Sterblichkeitsziffer in England ist etwa 18 v. T. Wenn man danach alle Unterschiede der Rasse, des Klimas und des Berufes in Betracht gezogen hat, so ist die Ziffer von 57 v. T. immer noch eine gewaltige.

Herr Seely antwortete:Die Höchstziffer von 80 v. T. stützt sich auf den Bericht der Witwatersrand Native Labour Association, nach dem von weniger als 70 000 angestellten Arbeitern 5 000 in einem Jahre gestorben sind, was einem Jahressatze von 80 v. T. entspricht.

Auf diese Worte des Herrn Seely hat niemand mehr geantwortet und die Debatte wurde geschlossen.

Ein weiteres Zeugnis für die Art der Eingeborenenbehandlung in den Transvaalbergwerken gibt das englische Parlamentsmitglied Mac Namara in seinem Buche: Chinese Labour 1905. Dort wird folgende Unterredung zwischen dem Eingeborenenhäuptling Zwedala, Häuptling im Bezirk Lady Frere, und dem Vorsitzenden der Transvaalschen Kommission für Eingeborenenarbeit wiedergegeben:

Haben Sie Klagen von Leuten gehört, die hier in Dienst standen? Ja, sie beklagten sich über die schlechte Behandlung. Sie war seit 1902 schlecht, viel schlechter als zur Zeit der Burenherr Schaft.Wie ist die Be­handlung jetzt?Auf dem Weg hierher begegnete ich 40 Männern in Sterk- stroom. Sie sagten, die neunschwänzige Katze werde täglich angewendet, ohne daß eine Behörde sich darum kümmert. Das tun die Betriebsleiter der Goldbergwerke.

Die Chinesengreuel in Transvaal 1904 bis 1907.

Um dem Arbeitermangel in Transvaal, vor allem in den Goldbergwerken Johannesburgs, abzuhelfen, erließ die Transvaalregierung im Mai 1904 ein Gesetz zur Einfuhr chinesischer Kulis. Im Juni 1904 kamen die ersten 1 000 Chinesen für den Witwatersrand in Durban, Natal, an. 1905 wurden in den Goldbergwerken Transvaals insgesamt 41 400 Chinesen gezählt, 1907: 53 856. Nicht lange nach der Ankunft der Chinesen wurden die Bewohner des Witwatersrandes und der benachbarten Bezirke sehr dadurch beunruhigt.