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Das Einfangen der Frauen und Kinder.
„Im Felde, 15. August 1901.
. Was die 74 000 Frauen und Kinder anbelangt, die Euere Exzellenz in Ihren Lagern zu unterhalten behaupten, so scheint mir, daß Euere Exzellenz nicht wissen, auf wie barbarische Weise diese armen wehrlosen Wesen von den englischen Truppen ihren Heimstätten entrissen wurden, während all ihr Hab und Gut vernichtet ward. Wie viele dieser armen unschuldigen Opfer des Krieges sind beim Herannahen eines feindlichen Truppenkörpers in Wind und Wetter, bei Tag und Nacht geflüchtet, so weit sie konnten, um ja nicht in die Hände der Soldaten zu fallen, und Euer Exzellenz Truppen haben sich nicht entblödet, auf die Hilflosen Geschütz- und Gewehrfeuer zu richten, um sie in die Hände zu bekommen, obwohl Euer Exzellenz Truppen genau wußten, daß es nur Frauen und Kinder waren. Manche Frau und manches Kind ist auf diese Weise verwundet oder getötet worden, wie es noch kürzlich in Graspan bei Reitz der Fall war, wo am 6. Juni 1901 ein Frauenlager — und nicht, wie Ihnen berichtet wurde, ein Convoi — von den englischen ' Truppen erbeutet und von uns wieder befreit wurde, während Ihre Soldaten hinter den Frauen Deckung suchten. Als Ihre Verstärkungen eintrafen, feuerten sie mit Kanonen und Gewehren auf dieses Frauenlager. Ich kann hunderte solcher Fälle nennen, aber ich halte es nicht für nötig; denn wenn Euere Exzellenz sich die Mühe geben wollen, auch nur einen ehrlichen Soldaten zu fragen, so muß derselbe meine Behauptung bestätigen. Zu sagen, daß diese Menschen sich freiwillig in den Konzentrationslagern aufhalten, widerspricht den Tatsachen. Und zu behaupten, daß die Frauen in die Lager geschafft worden seien, weiljlie Buren sich geweigert hätten, für den Unterhalt ihrer Familien zu sorgen, wie unlängst im englischen Parlament erklärt wurde,
* ist eine Verleumdung, die auf den Verleumder selbst zurückfällt.
gez. M. T. Steyn,
Staatspräsident des Oranjefreistaats.“
Ein ebenso beredtes Zeugnis, wie und unter welch grausamen Nebenumständen die Frauen und Kinder von ihren Farmen und Wohnungen mit Gewalt weggeschleppt wurden, ist auch die folgende Eingabe der Frauen des Lagers bei Klerksdorp an den Kapschen Kongreß:
Frauenlager Klerksdorp, 5. Januar 1901.
„An den Herrn Vorsitzenden des großen zu Worcester in der Kapkolonie am 6. Dezember 1900 gehaltenen Kongresses.
Sehr geehrter Herr und Bruder 1
„Im Namen der Unterzeichneten und aller anderen Schwestern der südafrikanischen Republik und des Freistaates sagen wir Ihnen und allen, die an dem Kongreß teilgenommen haben, unseren innigen und herzlichen Dank für das, was Sie in unserer so heiligen Sache getan haben. Es war für uns eine Freude, eine Ermutigung und ein Trost, daß die Brüder so offen ihren Widerspruch gegen diesen ungerechten Krieg kundgaben. Seid versichert, daß
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