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Die Behandlung der einheimischen Bevölkerung in den kolonialen Besitzungen Deutschlands und Englands : eine Erwiderung auf das englische Blaubuch vom August 1918: Report on the natives of South-West-Africa and their treatment by Germany / Reichskolonialamt
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Fortschaffung dieser Familien wird in wenigen Tagen beginnen. Sie werden bis zu den britischen Vorposten gebracht und dort irgendeiner Person über­geben werden, die Euer Hochwohlgeboren mit deren Empfang beauftragen mögen. Ich werde Euer Hochwohlgeboren über die Tag für Tag zu erwartende Zahl unterrichtet halten, und ich möchte diese Gelegenheit benützen, Euer Hochwohlgeboren zu benachrichtigen, daß, da fast alle Personenwagen der niederländischen Eisenbahngesellschaft nach dem Osten weggeführt wurden, die Familien ich bedauere es zu sagen in größtenteils offenen Güter­wagen reisen müssen. Ich werde mich bemühen, Frau Krüger, Frau Botha und so viele als möglich von den anderen Damen mit geschlossenen Wagen zu versehen; aber da ich nicht sicher weiß, ob ich solche finden werde, möchte ich in Anregung bringen, daß Euer Hochwohlgeboren für dieselben passende Fahrzeuge senden. Ich brauche nicht zu sagen, wie unangenehm mir diese Maßregel ist, aber sie ist mir aufgezwungen durch die offenbare Entschlossen­heit von Ihnen und Ihren Burghers, den Krieg fortzusetzen, nachdem aller Zweifel über dessen künftigen Ausgang aufgehört hat.

Ich habe die Ehre zu sein, mein Herr, Ihr gehorsamer Diener

Roberts,

Feldmarschall, Oberbefehlshaber Südafrika.

Zum Verständnis der Bedeutung der hier angedrohten Maßregel sei bemerkt, daß die Gegend, in die Lord Roberts die Frauen und Kinder zu senden drohte, das damals noch ganz wilde nördliche Transvaal-Buschfeld ist, das reich an Fieber, Schlangen und wilden Tieren ist. Die angedrohte Maß­nahme war gleichbedeutend mit einer Aussetzung in hilfloser Lage.

Schon Ende September 1900 änderte Lord Roberts seine Absichten. Anstatt die schon begonnene Ausweisung der Burenfamilien aus den von den englischen Truppen besetzten Dörfern fortzuführen, wurden nun die Buren­frauen und Kinder in den beiden Republiken zwangsweise als Gefangene in Konzentrationslager gebracht, um auf diese Weise ein wertvolles Pfand und ein mächtiges Druckmittel auf den hartnäckigen Gegner in der Hand zu haben.

Einrichtung der Konzentrationslager.

Am 22. September 1900 erließ der aus den Irengreueln bekannte General Maxwell den Befehl, der die Einrichtung dieser Konzentrationslager anordnete*). Von nun an beginnt das Einfangen der Frauen und Kinder durch englische Truppen und bewaffnete Kaffernkommandos und Verbringung in die Lager, die die EngländerFlüchtlingslager nannten. Da die Frauen ahnten, was ihrer in diesen Lagern harrte, suchten sie sich der Festnahme durch die Flucht zu entziehen. Wiederholt richteten die englischen Ab­teilungen Gewehr-, ja selbst Geschützfeuer auf die Fliehenden, um sie in die Hände zu bekommen. Eine anschauliche Darstellung dieses Kampfes britischer Truppen gegen wehrlose Frauen und Kinder gibt Präsident Steyns Schreiben an Lord Kit ebener vom 15. August 1901:

*) Hobhouse, a. a. 0. S. 34 ff.