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Die Behandlung der einheimischen Bevölkerung in den kolonialen Besitzungen Deutschlands und Englands : eine Erwiderung auf das englische Blaubuch vom August 1918: Report on the natives of South-West-Africa and their treatment by Germany / Reichskolonialamt
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rechtigkeit, von dem die Buren merkwürdigerweise glauben, daß er eiim Wirklichkeit ist. In der englischen Politik gilt also selbst der Gott der Gerechtigkeit nicht mehr.. .

Die Südafrikanische Republik.

Am 13. Mai 1852 sprach der englische Kapgouverneur Sir George Cathcart in einer Proklamation seine Genugtuung darüber aus, daß er mit einer seiner ersten Regierungshandlungen den Sandriviervertrag von 1852 bestätigen konnte, durch den den in Transvaal wohnenden Buren völlige Un­abhängigkeit gewährleistet wurde.

Die Transvaalrepublik hatte nun einen Vertrag, der ihr eine ruhige Zu­kunft zu sichern schien. Die Republik wurde außer von England auch von Holland, Frankreich, Deutschland, Belgien und vor allem von den Vereinigten Staaten von Amerika anerkannt.

Aber auf Englands Wort war selbst in einem von ihm Unterzeich­neten Vertrage nicht zu vertrauen. Keine 17 Jahre nach der Konvention, als. die Diamanten im Oranjefreistaat entdeckt wurden, erhob England An­sprüche auf ein Stück Transvaalschen Grundgebiets, das an das dem Oranje­freistaat abgenommene Land grenzte. Man beschloß schiedsrichterliche Ent­scheidung. Die Schiedsrichter konnten sich nicht einigen und der Ober­schiedsrichter, Gouverneur Keate von Natal, entschied gegen Transvaal. Nun stellte sich heraus, daß der englische Schiedsrichter von dem Kaffernkapitän Waterboer 12 000 Morgen für ein Butterbrot gekauft hatte und daß Gouverneur Keate dem Waterboer, entgegen den Bestimmungen des Sandriviervertrags, bereits die britische Staatsangehörigkeit verliehen hatte. Selbst Dr. Moffat, kein Burenfreund, protestierte in einem Brief an die Londoner Times hiergegen, da das fragliche Stück Land stets zu Transvaal gehört hatte. Doch dies war nur eine der Verletzungen des Vertrages. Als in Kimberley, wie Cunyngham und Moodie bezeugen, die 400 000 Gewehre an Eingeborene verkauft wurden, protestierte Transvaal 1872 entschieden beim Ober-Kommissar in Kappstadt. Doch es mußte sich mit einer brutalen Antwort von Sir Henry Barklv zu­frieden geben.

Um Englands Schandtaten die Krone aufzusetzen, erfolgte am 12. April 1877 die Annektierung des Transvaal durch Sheptone. Lord Carnavon sandte Sir Bartle Frere als Gouverneur nach Kapstadt. Ferner sandte er Shepstone nach dem Transvaal, um. dieses Land zu annektieren, falls der Volksrat oder die Mehrheit der Einwohner zustimmten. Volksrat und Prä­sident protestieren gegen die Annexion*).

*) Welche .Mittel der englische Kommissar Shepstone gebrauchte, um die Trausvaal- regierung gefügig zu machen, erzählt der Holländer Jorissen in seinenErinnerungen an Transvaal, 1898, S. 22:

Der englische Kommissar »Shepstone sagte 1877 in einer Unterredung mit dem Prä­sidenten und dem Ausführenden Kat des Transvaal: .Vergessen Sie nicht, ich habe bis jetzt meine Hand auf den Häuptling Ketschnayo gehalten, aber wenn ich sie zurückziehe . . . Ich lasse es dahingestellt, ob diese Drohung großen Einfluß ausgeübt hat, aber ich konstatiere die Tatsache, daß Englands Vertreter sich nicht geschämt hat, Weißen mit einem Einfall der Raffern, zu drohen. .