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Wir brauchen Kolonien / von Martin Hobohm
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Wir brauchen Kolonien.

nichts zurückzunehmen: Die Unbeugsamkeit ihres Willens kommt auch darin zum Ausdruck, daß er sich gleich geblieben ist. Was wir im Siegesjubel als Deutschlands notwendige For­derungen ansahen, war nicht ein willkürliches Programm undisziplinierter Begehrlichkeit, sondern das Ergebnis klarer Einsicht in die Lebensbedingungen der Nation. Unser eigent­liches Ziel ist dies: Unsere Zukunft als Weltvolk sicher­zustellen. Von dieser Forderung lassen wir nichr mehr; sie einigt uns alle-

Es ist nichts Kleines um diese Entschlossenheit. Denken wir uns ein halbes Jahrhundert zurück oder auch nur in das

geglückter Offensive doch noch den falschen Siegespreis zu fordern, der unseren schließlichen Untergang bedeuten müßte: die flandrische Küste. Durch das dauernde Fußfaffen am Kanal will die alldeutsche Führung England, Frankreich und Holland (von Belgien nicht zu reden) «militärisch für immer in der Hand behalten»; das ist die eingestandene Wahnidee des alldeutschen Verbandes und der Vaterlandspartei. Dies Ziel bedeutet die Knechtung Europas und den Kampf um die Welt­herrschaft. ES ist die entscheidende Angelegenheit des politischen Augenmaßes, sich bewußt zu bleiben, daß wir dazu trotz aller nur denkbaren Siege auf dem Schlachtfelde nicht imstande sind. Die Tapferkeit und alle ihre Ruhmestaten vermögen nicht, das Kraftverhällnis auf die Dauer umzustürzen; unser Volk braucht keinen Mächtigeren über sich zu dulden, aber darum ist es noch nicht mächtiger als alle anderen zusammengenommen. Die Hand nach der flandrischen Küste ausürecken, heißt den Völkerftreit verewigen bis zum endlichen unausweichlichen Verluste der deutschen Großmachtstellung. Die Völker würden den deutschen Herrn so wenig dulden, wie wir Deutschen einen englischen, amerikanischen oder irgend einen anderen Tyrannen.

Und ist das etwa nicht gut so? Sind wir Deutschen nicht ein Volk der Freiheit? Wer ist der Lästerer Deutschlands, der zu sagen wagt, wir wollten Freiheit und Recht nur für uns selbst, aber nicht für die Welt? Sind wir darum ein Volk der Tat geworden, um Gott zu betrügen? Gerade nun erst recht sind wir jetzt ein Volk des Rechtes, das seine Kraft gebrauchen wird, um die Herrschaft der Gewalt auf dieser Erde brechen und die Herrschaft der Sittlichkeit an ihre Stelle setzen zu helfen.

Für diese Zukunftsarbeit der Menschheit wünschen wir freilich ohne Einschränkung Sitz und Stimme im Rate der Weltvölker und können niemals darein willigen, daß deutsches Wesen in der allgemeinen Kulturentwicklung nur eine Rolle zweiten Ranges spielen soll- Die volle Anerkennung dieses Anspruches ist unser Kriegsziel, und nimmer­mehr können wir uns durch seine Anerkennung mit Worten befriedigt erklären. Wir brauchen ein vollgemcssenes Maß greifbarer Sicherheiten,