Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
Seite
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Einführung des Fettschwanzschafes im Küstengebiet durch die Schirazi oder andere Leute aus den Uferlandschaften des Persergolfes, die mit ihnen damals nach Ostafrika kamen.

Was an landwirtschaftlichen Produkten in der damaligen Zeit eingeführt wurde, dürfte vorwiegend aus Persien stammen, während die mohamme­danische Religion wohl von Arabien herübergekommen ist, da es persisch- schiitische Mohammedaner mit Ausnahme einiger Inder in unserem Ge­biet nicht gibt. Von den Persern stammt auch die Zeitrechnung nach dem persischen Sonnenjahr, die man heute noch an der ostafrikanischen Küste bei der Landwirtschaft und Schiffahrt benutzt, während im übrigen das arabische Mondjahr im Gebrauch ist. Die ganze mohammedanische Kultur ist nicht weit in das Innere Ostafrikas gelangt. Ihr Einfluß be­schränkte sich auf den schmalen Küstenstrich. Hier war er aber von großer Wirkung. Er hat der Küste und ihren Bewohnern in materieller wie geisti­ger Kultur den noch heute erhaltenen Typus gegeben. Es ist aber für den Charakter und die Natur des ostafrikanischen Negers bezeichnend, daß diese in einer langen, glänzenden Periode seines Landes ihm von hochstehenden Kulturvölkern gewordenen Einwirkungen dennoch weder tief auf sein bisheriges Wirtschaftssystem, noch auf seinen inneren Men­schen eingewirkt haben. Es sagt in dieser Beziehung Baumann (Usam- bara) mit Recht: Der Islam ist keineswegs im Stande gewesen, die jeden­falls ursprünglichen, echt negerhaften, religiösen Ideen der Swahili mit ihrer phantastischen Geisterwelt zu verdrängen. Ebenso wie der ostafri­kanische Küstenmann trotz arabischer Tracht doch ein Neger ist, der höchstens etwas arabische Blutmischung hat, wie seine Sprache trotz ara­bischer Fremdwörter in Geist und Bildung ein reines Bantuidiom ge­blieben ist, so ist auch der Glaube des Propheten für ihn nur eine Tünche, unter welcher der alte Geisterglaube mit seinem Ahnenkult und seinen Amuletten, mit seinen Zauberern und Teufelsbeschwörungen um so fester sitzt.

Die Portugiesen-Zeit.

Nachdem Vasco da Gama im fahre 1498 auf dem Seewege nach Ostindien die Küste Ostafrikas kennen gelernt hatte, versuchten bald die Portugiesen die Mohammedaner dort zu verdrängen und als Stütz­punkt für ihren Handel in Ostindien Stationen zu gründen. Im Jahre 1505 setzten sie sich in Sansibar, 1504 in Barawa, 1505 in Kilwa und Mam- bassa fest.

Dauernde Niederlassungen waren von ihnen in Malindi, Mombassa und an der Mossambik-Küste. Auf Pemba, wo sie sich ebenfalls angesiedelt hatten, wurden die Kolonisten jedoch schon 1589 ermordet. Nachdem

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