durch die Negerbevölkerung Afrikas und der Zeit des Periplus lagen gewiß etliche Jahrtausende, während welchen andere Völker allmählich die zumeist auf alluviale Eisenabsätze angewiesene afrikanische Industrie infolge günstigerer Produktionsverhältnisse im eigenen Lande überholt hatten.
Die Schirazi-Kultur.
Wieweit die Handelsbeziehungen der südarabischen Kaufleute in das Altertum zurückreichen, können wir nicht sagen; ebenso wissen wir nicht, wie weit sie nach der Niederschrift des Periplus noch angedauert haben. Jedenfalls begann mit der Ausbreitung des Mohammed anismus eine neue Periode in der Geschichte Ostafrikas, über die wir aus der bei der Eroberung Kilwas durch die Portugiesen aufgefundenen Chronik näheres wissen. Hiernach soll gegen 740 n. Chr. Said, der Sohn des von den Aufständischen gewählten Kalifen Ali bin Hussein, mit einer großen Zahl Anhänger nach Ostafrika gewandert sein. Jedoch erst mit dem 8. Jahrhundert wird man an eine intensivere Kolonisation und an die Gründung größerer Ansiedlungen denken können, von denen aus das Land bebaut wurde, ln der Zeit von 940 bis 1000 kamen dann Leute aus Schi ras in Persien, die nach Ostafrika zogen und dort die Stadt Kilwa gründeten, wo sie mit den älteren dorthin ausgewanderten Mohammedanern zusammentrafen. Etwa zu gleicher Zeit wird auch die Stadt Mombassa von den Schiras-Leuten erbaut sein. Die größte Blüte erreichte, wie es scheint, Kilwa zu Ende des zwölften Jahrhunderts unter dem Sultan Soliman Hassan. Die Ausbreitung des Islams wird also den Hauptanstoß zur Besiedelung Ostafrikas durch hellhäutige Rassen gegeben haben, während vorher von solchen nur kleine Handelsniederlassungen dort bestanden, und zwar waren es Leute aus den Ländern des Perser Golfes (Schiras), die nach Ostafrika gingen und heute noch in der Überlieferung dort als Schirasi eine große Rolle spielen.
ln dem ostafrikanischen Küstengebiet und auf den vorgelagerten Inseln (vgl. die Kulturkarte) findet man zahlreich die Ruinen alter Bauten, die von den schwarzen Eingeborenen allgemein den Schirasi (Leute von Schiras in Persien) oder den Wadebuli (oder Wadeburi) zugeschrieben werden. Was letzterer Name bedeuten mag, ist unsicher. Möglicherweise hängt es mit dem Yemen-arabischen Worte dabur, dabir gleich Westen zusammen; und waren die Wadebuli also vielleicht die von den Persern sogenannten Menschen aus dem südwestlichen Arabien. Wie Baumann 1 angibt, sollen die Wadebuli mohammedanische Inder aus Diu gewesen sein.
1 Die Insel Sansibar. Leipzig 1897. S. 25.
■s
324