früheren Blütezeit der Portugiesenherrschaft in Indien sowie aus Mischehen der Jetztzeit), doch sind wohl sicher auch reinbliitige Portugiesen wie Inder darunter. Sie sind katholische Christen, sind alle adelig und führen sehr hochklingende Namen: Souza, Silva, Gomez, Diaz usw. Sie kleiden sich, d. h. wenigstens die Männer, in europäischer Art und besitzen als Wäscher (Doby), Köche, Schneider und als Inhaber von Geschäften für europäische Bedarfsartikel eine große Bedeutung; auch finden sie als Schreiber usw. in der Kolonialverwaltung mit Erfolg Verwendung und sind als Musiker geachtet. Sowohl die deutsche Gouvernementskapelle wie die Musikbande des Sultans von Sansibar besteht, wenigstens vorwiegend, aus Goanesen. Nichtsdestoweniger sind sie wenig beliebt und gelten als unsauber und lasterhaft.
Den Goanesen schließt sich in Beschäftigungsweise und Lebenshaltung eine aus Südeuropa und Syrien stammende Volksgruppe an — Italiener, rumänische Juden, Griechen, Syrer —, die gemeinhin von der Negerbevölkerung nicht zu den echten Europäern gezählt werden oder doch diesen als »Waschensi wa uleia« (europäische Wilde) gegenübergestellt werden. Ihre Zahl ist nicht besonders groß und sehr schwankend. Sie beschäftigen sich mit Handel und Handwerk, sind vielfach Gastwirte, aber auch Farmer, ln ihrem Berufe gewandt, meist nüchtern und arbeitsam, steht man ihnen im allgemeinen zwar nicht sympathisch, aber auch keineswegs feindlich gegenüber.
Die übrigen Vertreter der weißen europäischen Rasse, unter denen naturgemäß heute der Deutsche in unserem Gebiete die größte Rolle spielt, werden wir im folgenden Kapitel noch näher kennen lernen.
IV. Kulturgeschichtliche Skizze des ostafrikanischen Küstengebietes und der vorgelagerten Inseln . 1
Älteste, prähistorische Einwanderungen der Urbantu.
A ls älteste Bevölkerung Afrikas, als Ureinwohner des Kontinents, wird übereinstimmend von fast allen Forschern eine kleine, wollhaarige Rasse angenommen, die später zurückgedrängt und in schwer zugängliche
1 Die nachfolgenden Ausführungen stützen sich hauptsächlich auf das große Werk Stuhl- m a n n s: Beiträge zur Kulturgeschichte von Ostafrika, das mit seiner außerordentlichen pülle von sorgfältigst zusammengetragenem Material und der kritischen Sichtung und Zusammenstellung desselben für alle weiteren derartigen Studien über unsere ostafrikanische Kolonie von grundlegender Bedeutung ist. Wo ich abweichende eigene Ansichten mit einschalten zu müssen glaubte, habe ich es genügend hervorgehoben. — Man vergleiche zu dem Folgenden die beigefügte Karte: Verbreitung einiger wichtiger Kulturformen.
315