Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
Seite
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Gesicht tragen sie einen langen Schleier, der oben an der Kapuze be­festigt ist, sonst frei herabhängt und daher leicht und häufig auf den Kopf zurückgeschlagen wird. Mit langgezogenem »ei emkatää ää« (mkate = Brot) rufen sie ihre Ware aus.

Die Beludschen waren früher als irreguläre Truppen des Sultans von Sansibar gefürchtet und kommen auch jetzt noch ziemlich häufig in Ostafrika vor. Sie führten Schwert und Dolch, daneben die Luntenflinte, im Gürtel eine Pistole, auf dem Rücken einen runden Schild aus Nilpferd­haut, ein Pulverhorn usw. Auf der Brust unter dem schmutzigen Hemd fehlt niemals das Amulett, bestehend aus Koransprüchen, eingenäht in ein Ledertäschchen. Die Beludschen stammen aus Makran und sind sunni­tische Hanefiten, die jedoch in Sitten und Tracht den Maskatarabern ähneln. Sie erfreuen sich keiner großen Beliebtheit bei den Europäern.

Vereinzelt sieht man auch noch Perser, die die frühere Leibwache des Sultans von Sansibar bildeten, in Ostafrika. Wichtig sind für unsere Schutz­truppe noch immer die Sudanesen.

Zur Zeit des Nordostmonsuns kommen auch die Somali nach Sansi­bar, um europäische Waren gegen ihre Landesprodukte einzuhandeln; ihre prächtigen Waffen dürfen sie jedoch heute nicht mehr öffentlich führen. Es sind hohe, hagere Gestalten mit angenehmen Gesichtszügen und negerbrauner Hautfarbe. Sie tragen Lendenschurz und ein großes, malerisch um die Schultern geschlungenes weißes Tuch, am Arm in Leder eingenäht, ein Amulett. Das Haar ist mehr oder weniger kurz geschnitten oder hängt in künstlich hellgefärbten Strängen herunter. Das oft hervor­gehobene selbstbewußte Auftreten der Somali unterscheidet sie stark von dem Küstenneger. Die häufig sehr hübschen, schön gebauten Frauen und Mädchen der Somali bekommt man in Sansibar kaum zu sehen. Neuer­dings lassen sich die Somali auch immer häufiger als Händler in unserem Gebiete nieder.

Indische Völker.

Die indische Bevölkerung des ostafrikanischen Küstenlandes', von welcher allein die Metropole Sansibar heute wohl annähernd 8000 Köpfe zählen mag, und die alle anderen, nicht schwarzen Volkselemente an Zahl bedeutend übertrifft, gliedert sich in zwei in Tracht und Lebensweise scharf unterschiedene Religionsgruppen. Es sind die Mohammedaner, von den Swahili Hindi genannt, und die heidnischen Inder (Taf. 23, unten); letztere nennen sich selbst Hindu, werden aber von den Schwarzen

1 Vergl. Dietrich: Die Organisation der Inder in Zanzibar und an der Küste. Deutsches Kolonialblatt 25, 1914. S. 716-718.

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