goldflimmerden Masken versteckten Damen und ihren Kindern, von einer Wolke köstlichen Wohlgeruchs umgeben. Einer nochmaligen Vorreiterschar folgt als letzte die Karosse des Sultans selbst, und den Beschluß bilden wiederum Reiter mit gezogener Waffe.
Der Sultan stellt übrigens sowohl Wagen wie Pferde in echt orientalischer Generosität dem Europäer auf Wunsch zur Verfügung. Der Marstall Seiner Hoheit enthält jedoch keineswegs besonders hervorragende •Tiere, wie denn überhaupt die Pferde unter dem ostafrikanischen Klima nicht gut gedeihen und fortkommen. Das eigentliche und vorwiegende Reittier des Arabers ist daher dort auch nicht das Pferd, sondern der große, weiße Maskatesel, ein hervorragendes Zuchtprodukt, nicht zu vergleichen mit den sonst üblichen Grautieren. Auf Eseln sieht man auch vielfach die Frauen der arabischen Schambenbesitzer, von einem nebenhertrabenden schwarzen Burschen begleitet, im »Herrensitz« vom Landgut zur Stadt oder umgekehrt reiten.
Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen die Araberinnen im Innern des Harems, d. h. meist in den an die Behausung anschließenden, von hohen Mauern umgebenen Höfen, sich auf alle mögliche, wenig nützliche Art ihre Zeit vertreibend. Die reinblütigen Araberinnen leiden bei dieser Lebensweise augenscheinlich unter dem Klima. Sie sind ziemlich unfruchtbar, und in Ostafrika geborene reinrassige Araber sind selten. Daher ist auch die Zahl der Araber mit Negerblut — ich nenne nur den bekannten Tippu-Tip wie den jetzigen Sultan von Sansibar — sehr groß und alles, was auch nur Spuren von arabischem Blut in sich hat oder zu haben glaubt, nennt sich Araber, kleidet und geriert sich nach arabischer Sitte, soweit es die Mittel erlauben, und sieht stolz auf den reinen Neger herab.
Die Kindererziehung geht im arabischen Hause kaum über die körperliche Pflege hinaus. Während die Mädchen bis zu ihrer Verheiratung im Harem bleiben, lernen die Knaben bei einem arabischen Lehrer Koransprüche, Lesen und Schreiben. Ungefähr im 12. Lebensjahre werden die Knaben — meist zugleich mit gleichaltrigen Knaben der Sklaven — beschnitten. Der Knabe gilt damit als erwachsen.
Shihiri, Beludschen und andere.
Die von den Negern Shihiri genannten sunnitischen Araber aus Sheher und Hadramaut sind einfache Leute, die als Krämer, Lastträger, Korbflechter, Seeleute u. a. ihren Lebensunterhalt verdienen. Ihre Frauen und Mädchen ziehen als Brotverkäuferinnen umher. Sie sind mit einer engen arabischen Hose und einem doppelten Obergewand angetan, von welchen das äußere kapuzenförmig über den Kopf geht. Vor dem
306