Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
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ziemlich reinlich; man badet fast täglich, wo sich nur Gelegenheit dazu bietet. Seife benutzt man dagegen wenig. Auf peinliche Sauberkeit der Kleidung wird bei den Wasuahili großer Wert gelegt.

Feste und Zeitrechnung.

Von Festtagen sind die beiden mohammedanischen Sikukuu von Bedeutung; der eine fällt an das Ende des Fastenmonats (Ramadan), während der andere (Idi) in der ersten Hälfte des Mfunguo wa tatu liegt. Wichtiger ist jedoch der nationale Swahilifesttag, der Neujahrstag (Siku a mwaka) nach Mitte August unseres Kalenders. Dieser Feiertag ist eine Erinnerung an das alte, mit diesem Tage beginnende Swahilijahr, das unter dem persischen Einfluß entstanden ist. Es ist heute fast ganz durch das arabische fahr ersetzt. Während dieses aus zwölf Mondmonaten besteht, war das persische Jahr in Dekaden eingeteilt; es soll noch bei den Seeleuten im Gebrauch sein. Am Neujahrstage ist es üblich, die Feuer zu löschen und neu mit dem Holzfeuerzeug zu entfachen. Streitigkeiten werden beigelegt. Die Kinder ziehen singend herum mit ihren mit Kreide beschriebenen schwarzen Holztafeln. Abends werden bei vielen Leuten Festessen veranstaltet. Zur Neujahrszeit pflegt man auch der verstorbenen Angehörigen zu gedenken.

Zeitrechnung.Wie gesagt, ist heute das arabische Jahr mit zwölf Mond­monaten fast durchweg im Gebrauch. Die Jahreszeiten werden nament­lich im Norden unserer Küste durch die zwei getrennten Regenzeiten, die große herbstliche Masika und die kleinere Mvuli im Frühling, gut unterschieden. Die Tageszeit wird nach der Höhe der Sonne mit großem Geschick beurteilt. Fragt man nach der Zeit des Weges bis da und da hin, so wird einem mit der Hand die Sonnenhöhe für die Zeit bezeichnet, zu der man den befragten Ort bei normaler Marschgeschwindigkeit erreicht haben wird. Uhren kennen und benutzen höchstens die Stadt-Swahili.

111. Die nichteingesessenen Neger und andere Völker des deutsch-ostafrikanischen Küstengebietes.

Sklaven.

N eben der eingesessenen Negerbevölkerung sind zunächst die zahl­reichen Sklaven zu erwähnen, die sich nicht nur in Händen der Araber, sondern auch vieler Swahilileute befinden. Es sind Vertreter der verschiedensten Negerstämme, oft weit aus dem Innern Afrikas stammend. Zahlreich sind solche aus den Gebieten westlich vom Nyassa- und Tanganyika-See, die als Wanyassa und Manyema unterschieden

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