waren ja auch in unseren Apotheken noch vor wenigen Jahrzehnten gang und gäbe.
Chirurgische Eingriffe werden nur selten vorgenommen. Üblich ist eine Art Baunscheidtismus, indem zahlreiche kleine Einschnitte in die Haut gemacht und wohl auch scharfe Substanzen da hineingerieben werden. Ferner wendet man das Schröpfen an. Hierzu wird ein kleines Kuh- oder Ziegenhorn an der Spitze abgeschnitten und das Loch mit Wachs verklebt; dann wird durch das Wachs eine feine Öffnung gestoßen, das Horn mit der großen unteren Öffnung auf den in die Haut gemachten Einschnitt aufgesetzt. Durch die feine Öffnung an der Spitze wird dann mit dem Mund die Luft ausgesogen und dann sofort, durch einen Druck mit den Zähnen auf das Wachs, das Loch geschlossen.
Krankheiten und hygienische Maßregeln.
Eine sehr häufige Krankheit 1 der Küstenneger ist die Malaria, die in schwererer Form als Homa, in leichterer als Mkunguru unterschieden wird. Brustkrankheiten sind häufiger. Durch Verletzungen der nackten Beine und Hinzutreten einer Infektion wohl meist hervorgerufene Beingeschwüre sind sehr zahlreich. Pockenepidemien treten öfter auf. Geschlechtskrankheiten sind in den leichteren Formen sehr verbreitet, auch Syphilis ist nicht selten bei den Küstenleuten. Eine auffallende Krankheit ist die Elephantiasis, die zumeist die unteren Teile der Beine befällt und dieselben elefantenfußförmig verdickt. Ein in dieser Weise verunstalteter Neger erweckt aus einiger Entfernung gesehen den Eindruck, als trüge er Wasserstiefel an den Beinen. Kranke Leute fühlen sich gleich sehr elend, essen und trinken kaum und liegen apathisch und willenlos da. Man hat den Eindruck, daß sie oft erst auf diese Weise in schwerere Krankheit hineingeraten.
Von hygienischen Maßregeln wurde schon das Essen mit der rechten Hand erwähnt, während die linke bei der Reinigung mit Wasser nach der Verrichtung kleiner und großer Bedürfnisse benutzt wird. Bei beiden ist, beim weiblichen wie männlichen Geschlechte, die hockende Stellung üblich. Der Beischlaf wird in Seitenlage ausgeführt; daher wird von der Mutter schon dem kleinen Kinde das männliche Glied mit Gewalt langgezogen. Daß die Männer der Küstenleute als Moslim beschnitten sind, wurde schon gesagt. Nach Bau mann (Usambara) wird von den Wassegeju auch bei den Mädchen »in sehr gründlicher Weise« die Beschneidung vorgenommen.
Im allgemeinen sind die dunkelfarbigen Küstenleute, zumal die Swahili,
1 Siehe auch Kapitel: Klima, S. 97 ff.
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