Phallussäulen alter assyrischer und persischer Bauwerke erinnernd (F. Stuhlmann, Mitt. a. d. D. Schutzgeb. 1894, S. 282).
Am Jüngsten Tage, wenn alle Menschen gestorben sind, gehen sie einen schmalen Weg, einer hinter dem anderen, und werden dann von Gott, der die Menschen alle genau kennt, in gute und böse geschieden. Die Guten gehen rechts zu einer schönen, kühlen Stadt (Peponi — von pepo, der Wind = Kühlung), die Schlechten aber müssen links in eine Stadt mit Hitze und Feuer (Motoni — von moto = Feuer) marschieren. Hach einer anderen Version kommen alle Menschen (außer Mohammed selbst) zuerst nach Motoni (»Fegefeuer«), darauf müssen sie einen steilen Weg erklimmen — zwischen Motoni und Peponi — und fallen, je nachdem, wieder zurück in die Hölle (Motoni) oder gelangen nach Peponi (Himmel).
Religion (Islam und Geisterkult).
Alle Küstenneger sind, wenigstens äußerlich, Mohammedaner der chafFiitischen Sekte. Man findet denn auch Moscheen oder Bethäuser fast in allen Dörfern. Auffallende und schöne Baulichkeiten sind selbst in den größeren Städten nicht darunter zu sehen; in den kleineren Ortschaften sind es oft elende Hütten, kleiner und liederlicher gebaut als die schlechtesten Wohnhütten, durch die Gebetsnische aber als Gotteshäuser markiert. Es passierte mir einmal, daß ich in einer kleinen, bei näherer Besichtigung als leerstehend sich erweisenden Strohhütte eines Dorfes mein Nachtquartier aufschlagen wollte. Im letzten Augenblick wurde ich aber noch durch meine Leute auf den winzigen Ausbau an der einen Schmalseite, eben die erwähnte Gebetsnische, aufmerksam gemacht und dadurch ein unfehlbarer schwerer Konflikt mit den Eingeborenen noch gerade vermieden.
Ebenso geringe Sorgfalt, wie auf den Zustand der mohammedanischen Bethäuser, verwendet der Swahili auch auf die Ausübung seiner religiösen Pflichten. Zwar hört man überall zu den vorgeschriebenen Stunden den Muezzinsruf ertönen, aber an den regelmäßigen Gebeten nehmen fast nur ältere und angesehene Männer, Schullehrer und Leute, die sich zu diesem Berufe vorbereiten, teil. Im übrigen sind die Küstenleute im allgemeinen keine sehr strengen Moslim.
Die Speisegesetze und der Fastenmonat werden jedoch ziemlich allgemein eingehalten. Es darf in der Fastenzeit tagsüber nichts genossen werden; um so ärger wird aber vielfach nachts geschwelgt und gefressen. Das islamitische Verbot geistiger Getränke wenden die Mrimaleute auf die landsüblichen Produkte Pombe und Tembo wohl niemals an.
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