Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
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und länger) die Brust. Daneben erhalten sie schon frühzeitig Mehlsuppen und -Breie . 1

Tod.

Beim Tode eines Menschen wird dieser möglichst sofort begraben. Die Leiche wird in Zeug eingenäht auf eine Kitanda (Bettstelle) oder auch auf ein besonders diesem Zweck dienendes Gestell mit geflochtenem, gewölbtem Dach gelegt und ganz mit einem großen Tuche verdeckt. So wird die Leiche von Männern unter dem fortdauernden lauten Ge­sänge: La eläh elalü (Allah), Mohamed rassul Allah (Freund Gottes) usw. immer wiederholt, hinausgetragen. Draußen am Begräbnisplatz ist bereits eine Grube hergerichtet, in die die Leiche hineingelassen wird. Nachdem der Priester eine Koranstelle verlesen oder gesprochen, steigen drei Männer hinein in die Grube und bedecken den Toten mit einem Brett, damit die Erde ihn nicht direkt treffen kann. Vorher bekommt der Ver­storbene, damit er später hören kann, das umhüllende Tuch in der Gegend der Ohren aufgeschnitten. Erst vorsichtig und langsam, dann in größeren Würfen wird das Grab zugeschüttet.

Die Angehörigen der Verstorbenen, Vater, Mutter, Geschwister und Freunde verlassen für zwei Tage nicht das Haus und beten; am dritten Tage aber geben sie ein Essen an die Begräbnisteilnehmer. Reiche Leute machen einen großen Schmaus und schlachten dazu eine Kuh. Die weib­lichen Angehörigen Verstorbener tragen als Trauerkleidung einfarbige Stoffe. Die Frauen nehmen am Begräbnis nicht teil; sie gehen, wenn je­mand gestorben ist, an den Strand, um sich zu waschen, und ziehen darauf singend wieder nach Hause.

Zur Neujahrszeit ist es üblich, durch den Priester am Grabe der Ange­hörigen Gebete lesen zu lassen, auch werden den Bekannten am Grabe Gastmähler gegeben. Die Gräber sind off mit einem offenen Strohdach überbaut, sowie mit Fähnchen und anderem geschmückt; auch können sie mit einer Umzäunung versehen sein. Bei den Wandengerecko sah ich eine dolmenartige Steingruppe als Grabmal.

An vielen Küstenorten trifft man die großen, mit einer zinnentragenden Mauer umgebenen Jumben-Gräber. Sie zeigen zuweilen noch einen mit steinernem Dach überwölbten Innenbau und hübsche Ornamente. Viele dieser Gräber haben eine stets nach Westen orientierte hohe, vier- oder achtkantige Stele mit einer Anschwellung oben, ganz an die

1 Vergl. Meixner: Säuglings- und Kinder-Emährung in Deutsch - Ostafrika. Deutsches Kolonialblatt 1914. S. 354 365. Familiennachwuchsstatistik über die Eingeborenen von Deutsch-Ostafrika. Ebenda S. 440 457.

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