Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
Seite
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und der Mann hat kein Recht die zum dritten Mal geschiedene Frau wieder zu heiraten, es sei denn, daß sie inzwischen mit einem anderen Manne verheiratet war. An der Kilwaküste mußte früher ein Freier, der mit einer Freien Ehebruch getrieben hatte, an den Mann der letzteren 6 Sklaven zahlen. Ein Sklave jedoch, der mit einer freien Frau die Ehe brach, wurde getötet.

Geburt.

Flochschwangere Frauen gehen nicht mehr auf die Straße. Bei der Geburt eines Kindes leisten einige ältere Frauen der Mutter Beistand. Die Nabelschnur wird mit dem Rasiermesser abgeschnitten, das Neuge­borene bei den Beinen gefaßt und horizontal im Kreise herumgeschwenkt, gewaschen und gebettet. Dann wird auf dem Feuer ein weicher Brei aus M h i n d i (Mais) und Wasser bereitet und dem schreienden Kinde ein­geflößt. Später wird es der Mutter an die Brust gelegt. Dieser wird der Leib mit Öl (Uto) abgerieben und ein heißer Kräuterbrei aufgelegt; auch wird ihr eine mit viel Pfeffer (pilipile) bereitete Arznei eingegeben. Vor der Geburt scheinen auch wehentreibende Mittel verabfolgt zu werden. Verzögert sich die Geburt und leidet die Wöchnerin sehr, so wird von den weiblichen Verwandten ein Opfer von allerlei Feldfrüchten gebracht, indem in einer Topfscherbe von jeder Art eine Handvoll an einem ent­legenen Orte ausgelegt wird.

Die Wöchnerin bleibt sieben Tage zu Bett und geht dann zu ihrem Gatten zurück; auch bekommt der Vater jetzt erst sein Kind zu sehen. Die Schwangerschaft dauert nach Aussage der Swahili bei einem weib­lichen Kinde acht und bei einem männlichen neun Monate. Während der Schwangerschaft werden keine besonderen Speisen genommen. Nach­geburt und Nabelschnur werden im Hofe in die Erde gegraben.

Bei Zwillingen (Mapascha) muß der Vater sich hüten, nur dem einen von beiden ein Geldgeschenk zum Kaufen von Kuchen zu machen, da sonst der andere stirbt oder krank wird. Bis das Kind zu laufen anfängt, schläft es bei der Mutter, danach bei den Geschwistern in einem be­sonderen Bett und Raum. Zunächst wird das Kind von der Mutter nur mit ihrem Schultertuch umschlungen und bedeckt und beim Ausgehen darin getragen. Später bekommt das kleine Mädchen Höschen und der kleine junge ein Hemd, Kansu, an, und beide eine bunte mit einem Quasten­busch geschmückte Mütze auf den Kopf. Bei ganz kleinen Kindern sieht man um das linke Handgelenk wie den Leib (Hüften) einen Faden als einzige »Kleidung« geschlungen, angeblich als Schmuck, obwohl keine

Perlen darauf gereiht sind. Die Kinder bekommen sehr lange (bis i Jahr 19*

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