Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1915)
Entstehung
Seite
286
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C h a u s i k a (weil zur Nacht geboren), ] a s m i n i (weil am Tage der Ge­burt irgend jemand Jasminblüten getragen hat), Binti fundi (Meisters Tochter) usw.

Auf die normale Reihenfolge in der Entwicklung der Zähne des Kindes wird großes Gewicht gelegt und das Kind im anderen Falle unter Um­ständen als Unglückskind getötet.

Ist das Kind sechs oder sieben Jahre alt, so kommen die Knaben und auch manche Mädchen, falls Mittel und Gelegenheit es gestatten, in die Schule, d. h. sie werden zum Mwalimu (Schulmeister) gebracht, wo sie etwas Lesen und Schreiben sowie Koransprüche lernen. Zum Schreiben dient den Kindern eine geschwärzte Holztafel und ein Stück Kreide, oder ein mit schwachem Tonanstrich überzogenes Brettstück oder das Schulter­blatt eines größeren Tieres, auf dem die mit Tinte geschriebenen Buch­staben leicht wieder weggewischt werden können. Die Federn werden aus Rohrstengeln geschnitten. Die Schulkinder kauern in Reihen am Boden im Freien oder in einer offenen Halle, die Tafel vor sich und das tönerne Tintenfaß daneben auf dem Boden. Jeder arabische Buchstabe wird von der ganzen Schar laut schreiend gelesen. Wichtiger fast als Lese- und Schreibübung ist das Lernen von Koranversen; sie werden sehr laut von den Kindern immer und immer wieder gesungen, bis man sie auswendig weiß. Ob die Kinder dabei ihren Sinn verstehen, scheint Nebensache zu sein.

Überhaupt lernt kaum jemand arabisch sprechen, aber viele Swahili verstehen doch, ihre eigene Sprache mühselig mit arabischen Lettern wiederzugeben. Das schmale Papierstück wird beim Schreiben eines Briefes fidibusartig zusammengefaltet und während des Schreibens, wobei die Finger der linken Hand als Schreibpult dienen, Zeile für Zeile abge­rollt. Es ist schon oft hervorgehoben worden, wie wenig sich die arabische Schrift zur Wiedergabe der vokalreichen Swahili-Sprache, des Kiswa- hili, eignet, und es sind auch bereits längst gute Anfänge gemacht, sie dufch die lateinischen Lettern zu ersetzen. Diese werden von den Swahili leicht erlernt und offenbar als praktischer vorgezogen. Bei den meisten Knaben werden aus dem ganzen Schulunterricht für das spätere Leben meist wohl nur die wichtigsten Gebete und Glaubenssätze herüberge­rettet werden, deren er als Moslim unbedingt bedarf.

Pubertät.

Auf 15 bis 14 Jahre zu schätzende Knaben sind sozusagen erwachsen, d. h. sie gerieren sich wie ältere Leute und reden überall mit, machen Geschäfte und sind überhaupt ganz brauchbare Menschen.